Discussion:
[Tip] Aktuelle Probleme der BRD-Geschichtsschreibung
(zu alt für eine Antwort)
Veith
2013-10-15 11:28:56 UTC
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Wie der Teufel es will, bringt die aktuelle Beilage meiner Lieblingszeitung, "Das Parlament" aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 42-43 / 14.10.2013, unter dem Thema: "Geschichte als Instrument" einige sehr gute Beitrage:
<http://www.das-parlament.de/2013/42-43/index.html>

Natürlich muß bei den Beiträgen zwischen den Zeilen gelesen werden und die ständigen Hinweise auf tatsächliche oder behauptete Defizite der DDR- bzw. sozialistichen Geschichtsschreibung als das nehmen, was es ist: Als Feigenblatt, sonst hätte der Artikel jeweils nicht im Rahmen der "Politischen Bildung" erscheinen können. Also das, was hier die "Zwangsdistanzierung" und "Entschuldigung" ist .... nur sachlich und ohne Gekeife.

Mit der "Aufarbeitung" der DDR-Gschichte beschäftigt sich speziell Klaus Christoph im Essay »"Aufarbeitung der SED-Diktatur" – heute so wie gestern?«
<http://www.das-parlament.de/2013/42-43/Beilage/003.html>

Aber letztlich setzten sich alle Beiträge mit dem Problem auseinander, warum die BRD-Geschichtsschreibung in über 20 Jahren so (relativ!) wenig erfolgreich in Bezug auf die DDR ist ... und was sie ändern sollte, um ihre benannten Ziele zu erreichen.

Pe" DDR-Luftwaffe.de "ter
Gerald Endres
2013-10-15 15:19:41 UTC
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On Tue, 15 Oct 2013 04:28:56 -0700 (PDT), schrieb unser
Post by Veith
Aber letztlich setzten sich alle Beiträge mit dem Problem auseinander,
warum die BRD-Geschichtsschreibung in über 20 Jahren so (relativ!)
wenig erfolgreich in Bezug auf die DDR ist.
Frage 1: Was ist deiner Meinumg nach "die" BRD-Geschichtsschreibung?
Frage 2: Wie misst man den "Erfolg" von Geschichtsschreibung?

Mir scheint, du hast die Artikel überhaupt nicht verstanden. Sie
kritisieren speziell auch die Versuche der fachfremdem politischen
Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung.
Du dagegen scheinst eine derartige Instrumentalisierung für
naturgesetzlich "herrschend" zu halten und hast die angeführten
Beispiele aus der BRD nur daraufhin gelesen, dass sie dich bestätigen:
Siehste, die doch auch. Dass der Autor explizit schreibt, dass
derartige Intrumentalisierung in der BRD nicht dominant war, fällt
wieder durch das Raster deiner Wahrnehmung

Entsprechend verbogen ist deine Wahrnehmung, wenn es um den "Erfolg"
geht. Da werden verschiedene Faktoren einer öffentlichen, diskursiveb
Erinnerungskultur dargestellt, und bei dir kommt nur an: Die
Propaganda hat wenig Erfolg.

Klar, das kannst du gar nicht anders wahrnehmen, denn für dich ist
Geschichtsschreibung nur von irgendeiner Zentrale gesteuerte
Propaganda.

Und wenn ein Historiker was an der DDR (und der Geschichtsschreibung
dort) kritisiert, dann ist das für dich eine Zwangsdistanzierung -
schon ist es bei dir wieder aus dem Sinn.
Torsten Mueller
2013-10-15 16:35:27 UTC
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Post by Gerald Endres
Mir scheint, du hast die Artikel überhaupt nicht verstanden. Sie
kritisieren speziell auch die Versuche der fachfremdem politischen
Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung. Du dagegen scheinst
eine derartige Instrumentalisierung für naturgesetzlich "herrschend"
zu halten
Du hingegen meinst, es gäbe aufgrund der in der BRD etablierten
Strukturen, aufgrund von Demokratie, Föderalismus und Dezentralismus
keinen gemeinsamen Konsens, auch politischen Konsens, es gebe nicht
einmal eine Geschichtsschreibung. Wir haben das schon durch.

Ich habe eine lebendige Auffassung des Begriffs. Ich zähle nicht nur
universitäre Veröffentlichungen dazu, sondern vor allem auch, was in den
Köpfen der Menschen bleibt, was also heute wesentlich auch durch moderne
Massenmedien fortlaufend dorthin transportiert wird. Und es ist durchaus
nicht so, daß es nicht gewisse, klar westdeutsche "Erkenntnisse" gebe,
die unisono und immer wieder verkündet werden, auf daß man sie künftig
glaube. Ich zähl mal paar auf, wobei ich den plattesten Klassiker gleich
gar nicht extra erwähne:

- Amis gut, sehr liebe Freunde, Luftbrücke und so - Russen böse,
eigentlich Untermenschen, jedenfalls aber Idioten und sehr
wahrscheinlich besoffen

- Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn und so Zeugs - ewig Ostblock, also
quasi Sibirien, nicht der Rede wert, gibt's eigentlich gar nicht, und
wenn, dann nur in Formvon Prostituierten oder Kriminellen

- Nazis böse, aber längst nicht alle, eigentlich gab's ja kaum welche,
Opa war jedenfalls keiner, vor allem waren aber andere (!) auch böse
(eine ganz markante Tendenz in den letzten Jahren!) - in seiner
mehrteiligen Produktion "Die Deutschen" läßt Knopp [1] die deutsche
Geschichte klugerweise gleich noch vor 1933 enden

- am Christentum wird nicht gerüttelt

- der Einzelne und sein Schicksal haben höhere Priorität als
geschichtliche Zusammenhänge, es muß menscheln, bei Großen und
Kleinen, auch im Führerbunker saßen letztendlich nur Menschen,
Geschichte darf ruhig trivialisiert, reduziert und als Kulisse benutzt
werden

Selbstverständlich wird man nun sagen, ich hör's schon, das sei ja nicht
staatlich gesteuert, schon gar nicht zentralistisch. Wir haben das alles
schon durch. Ich hab letztes Mal gesagt, daß man gar nicht so dumm sein
kann anzunehmen, die Meinungsbildung würde nicht hier und da ein wenig
gelenkt. Die Strukturen dazu sind meiner Ansicht nach da. Sie betreffen
übrigens nicht nur die ö-r Medien, sondern auch private. Das Aufkommen
solcher Plattheiten wird zumindest staatlich auch nicht unterbunden, im
Gegenteil, der deutsche Bundesstaat und seine Länder beteiligen sich
aktiv an der Finanzierung und an der Aufsicht über die Massenmedien,
genau wie an den Schulbüchern und Lehrplänen, also selbstverständlich an
der öffentlichen Meinung und dem kollektiven Gedächtnis.

T.M.

[1] Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Unsere Geschichte. Das
Gedächtnis der Nation“ - das Gedächtnis (!), Singular, offenbar das
einzige
Gerald Endres
2013-10-15 21:47:22 UTC
Permalink
On Tue, 15 Oct 2013 18:35:27 +0200, Torsten Mueller
[1] Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Unsere Geschichte. Das
Gedächtnis der Nation“ - das Gedächtnis (!), Singular, offenbar das
einzige
Gedächtnis, ein einziges: Nehmen wir nur mal deines - was da für
wirdsprüchliche und disparate Dinge durcheinanderwirbeln! Das ist ja
sogar gut so und entspricht eher der Realität. Aber: Auch ein
singulares Gedächtnis.
Ich kenne Knopps Verein nicht. Aber das "Gedächtnis einer Nation" ist
genausowenig was Monolithissches und Homogenes wie "die"
Geschichtsschreibung. Ich habe kein Problem bei "das Gedächtnis", wenn
jedoch von "Nation" die Rede ist, werde ich misstrauisch.

Gruß
Gerald
Torsten Mueller
2013-10-16 05:29:46 UTC
Permalink
Ich habe kein Problem bei "das Gedächtnis", wenn jedoch von "Nation"
die Rede ist, werde ich misstrauisch.
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben, dann gehen einem solche Worte ganz leicht von den
Lippen.

(Dabei hätte er eigentlich geschichtsbewußt wissen müssen, daß im
Deutschen die Rede nicht von einer Nation, sondern selbstverständlich
von der Deutschen Volksgemeinschaft ist.)

T.M.
Matthias Opatz
2013-10-16 10:30:53 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.

Matthias
--
·· Wenn du nachts nach Haus kommst, kaputt, hörst du die Muscheln ··
rauschen. Und legst dich nackt aufs grüne Sofa, tust deinen Muscheln
lauschen - und willst so gern dein Wachsein gegen Schlaf eintauschen

== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen ==
Uwe Schickedanz
2013-10-16 12:58:20 UTC
Permalink
On Wed, 16 Oct 2013 12:30:53 +0200, Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?

Gruß Uwe
--
"Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird."
Dieter Wiefelspütz, SPD zu Edward Snowden
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Matthias Opatz
2013-10-16 13:10:48 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
Post by Matthias Opatz
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?
Ich finde, dass die Verwendung oder Vermeidung (egal) eines Begriffs
wie "Nation" einen solchen Ausfall überhaupt nicht rechtfertigt. Aber
vielleicht bin ich nicht mehr ganz von dieser Welt, wenn ich einfach
inhaltliche Einlassungen erwarte.


Matthias
--
Wenn ich, was mein Lied gesät, aufgehn seh in fremden Köpfen,
und find Lachen und find Weinen, nämlich bin ich glücklich.

== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen ==
Uwe Schickedanz
2013-10-16 13:09:49 UTC
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On Wed, 16 Oct 2013 15:10:48 +0200, Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Post by Uwe Schickedanz
Post by Matthias Opatz
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?
Ich finde, dass die Verwendung oder Vermeidung (egal) eines Begriffs
wie "Nation" einen solchen Ausfall überhaupt nicht rechtfertigt. Aber
vielleicht bin ich nicht mehr ganz von dieser Welt, wenn ich einfach
inhaltliche Einlassungen erwarte.
Es ging wohl nicht um diesen einen Begriff, sondern um das
Gesamtkunstwerk Guido Knopp. Hast Du Dich schonmal mit Historikern
über ihn unterhalten?

Gruß Uwe
--
"Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird."
Dieter Wiefelspütz, SPD zu Edward Snowden
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Matthias Opatz
2013-10-16 13:31:10 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
Es ging wohl nicht um diesen einen Begriff, sondern um das
Gesamtkunstwerk Guido Knopp. Hast Du Dich schonmal mit Historikern
über ihn unterhalten?
Histotainment ist per se oberflächlich und grobkategorisierend.
Es ist nicht wissenschaftlich, aber beliebt. Das muss man auch
dann anerkennen, wenn es einem nicht behagt.

Man kann dem ZDF vorhalten, dass das nicht seinem Bildungsauftrag
entspricht. Aber was alles tut das nicht.

In der hiesigen Zeitung hat ein Leser neulich gefordert, den
Kolumnisten, den er nicht gern liest, "zu entsorgen". Das hat
zumindest eine lebhafte Debatte ausgelöst.

Im Grunde ist es doch aber mit der Zeitung wie mit dem Fernsehen:
Jeder Leser oder Zuschauer entscheidet selbst, ob und was er liest
oder anschaut, und in welchem Maße. Sei es zu seiner Erbauung oder
für eine kritische Auseinandersetzung.

Viele Leute wollen Knopp, also sollen sie ihn haben. Andere Leute
weisen darauf hin, wie Knopp mit Geschichte umgeht und welche Fehler
er aus ihrer Sicht macht. Das ist so bei Meinungsfreiheit.

Mir gefällt Knopp auch nicht. Aber ich bin froh, dass es nicht mehr
der elitäre Zirkel ist, der bestimmt, was ich sehen darf und was nicht.

Matthias
--
Von draußen klingt kein Laut ins Zimmer, die Fensterflügel sind
verschweißt. An der Wand klebt `n Topf mit Blumen, von Van Gogh
oder wie der heißt ...

Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen!
Torsten Mueller
2013-10-16 13:45:28 UTC
Permalink
Post by Matthias Opatz
Jeder Leser oder Zuschauer entscheidet selbst, ob und was er liest
oder anschaut, und in welchem Maße. Sei es zu seiner Erbauung oder für
eine kritische Auseinandersetzung.
Das ist das Argument, mit dem die Verantwortung vom Anbieter auf den
Rezipienten abgewälzt wird. Ein Problem besteht allerdings darin, daß
der Rezipient Möglichkeiten und erhebliche Kompetenzen haben und
beherrschen muß, dann überhaupt noch eigene Wertungen und freie
Entscheidungen zu treffen. Wem willst Du noch vertrauen, wenn schlicht
alle lügen dürfen und das auch tun? Und wie willst Du die Lüge erkennen,
wenn sie wie heute tausendfach wiederholt wird, selbst von denen, denen
Du bisher immer vertrauen konntest? So einfach mit der
Eigenverantwortung ist es eben längst nicht mehr.

Heute gibt's ganz komische Phänomene, man kann das beispielhaft an der
Syrienberichterstattung gut studieren. Einen Scheiß [1] kann man sich da
selber bilden. Und selbst ranghohe Politiker haben keinen Schimmer, was
dort wirklich passiert und was sie glauben sollen.

T.M.

[1] ...
Torsten Mueller
2013-10-16 13:28:14 UTC
Permalink
Post by Matthias Opatz
Post by Uwe Schickedanz
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?
Ich finde, dass die Verwendung oder Vermeidung (egal) eines Begriffs
wie "Nation" einen solchen Ausfall überhaupt nicht rechtfertigt.
Tut's ja auch nicht. Es ging nicht um das Wort "Nation", es ging darum,
daß Knopp in gewohnter Weise die Möglichkeit offenläßt, seinen Verein
für das alleinige (!) Gedächtnis der Nation zu halten - eine
Interpretation, die aus verschiedenen Gründen bei ihm sehr naheliegt.
Und das wäre dann vielleicht schon ein klein wenig anmaßend, oder? Hätte
er seinen Verein "_ein_ Gedächtnis" genannt, hätte ich diesen gar nicht
erwähnt. Hat er aber nicht, aus selbstgewählter Aufgeblasenheit.

Im Übrigen finde ich, sollte man gewisse Dinge ruhig beim Namen nennen,
insbesondere wenn sie sich mit einer selbstgemachten Weihrauchwolke
umgeben. Dem Herrn Knopp würde das, so er mich kennte, schon ordentliche
Genugtuung sein, da bin ich fast sicher. Ich sach das ja schließlich
nicht zu jedem.

T.M.
Lars Gebauer
2013-10-16 13:09:20 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
On Wed, 16 Oct 2013 12:30:53 +0200, Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?
Netter Herr.
Bea Fuchs
2013-10-16 13:17:56 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
On Wed, 16 Oct 2013 12:30:53 +0200, Matthias Opatz
Post by Matthias Opatz
Post by Torsten Mueller
Man muß einen hinreichenden Grad eines selbstherrlichen Arschlochs
erreicht haben
Na, na. Man kann auch unmissverständlich diskutieren, ohne die
Contenance zu verlieren.
Und wie würdest Du dann "selbstherrliches Arschloch" in wohlgesetzte
Worte kleiden?
Kotzbrocken
Veith
2013-10-16 06:05:13 UTC
Permalink
Post by Gerald Endres
Mir scheint, du hast die Artikel überhaupt nicht verstanden.
Es drängt sich auf: Du hast die Artikel nicht einmal im Ansatz gelesen.
Und es ist durchaus nicht so, daß es nicht gewisse, klar
westdeutsche "Erkenntnisse" gebe, die unisono und immer wieder
verkündet werden, auf daß man sie künftig glaube.
Ja klar, darum geht es und das läßt der Staat sich was an Steuermitteln
kosten, so

»... zeigen Bericht und Debatte, bewegt sich die offizielle „Aufarbeitung
der SED-Diktatur“ auf altbekannten Pfaden. Der Bericht basiert auf der
Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption vom Juni 2008, in der festgehalten
wurde, dass es um die Vermittlung des „menschenverachtenden Charakter(s)“
der „kommunistischen Diktatur“ in der SBZ/DDR gehe, wobei zugleich
einer „Verklärung und Verharmlosung der SED-Diktatur und jeder ‚Ostalgie‘
entschieden entgegenzuwirken“ sei.3 Nahezu wortgleich findet sich diese
geschichtspolitische Zielbestimmung im Bericht von 2013 wie auch in dem
kurzen Statement des Kulturstaatsministers Bernd Neumann zu Beginn der
Aussprache. Ihre Umsetzung lässt sich die Bundesregierung jährlich rund
100 Millionen Euro kosten.4«[1]

Also _allein_ 100 Mio. EUR gibt _allein_ der Bund[2] für die
"geschichtliche Aufarbeitung der SED-Diktatur" aus. Jedes Jahr, um
den "menschenverachtenden Charakter der kommunistischen Diktatur" zu
vermitteln und jeder "Verklärung und Verharmlosung" sowie
jeder "Ostalgie" "entschieden entgegenzuwirken"! Dazu kommt das Geld der
Länder und Kommunen sowie Stiftungen etc.

*Wow* Warum wohl? Die DDR ist doch Tod, oder?

Vorsorglich:
In den Artikeln geht es m.E. eher um den Verteilungskampf, also wer bekommt
wieviel von der Staatsknete. Ebenso wird die private Konkurrenz der Medien
beklagt und natürlich ist alles viel zu wenig, um die Ziele zu erreichen,
denn:

es »scheint die aus anderen zeitgeschichtlichen Diskursen bereits bekannte
Diskrepanz zwischen kulturellem und kommunikativem Gedächtnis mit Blick auf
die Erfahrungs-, aber keineswegs homogene Erinnerungsgemeinschaft der
Ostdeutschen evident und wird als Problem des mentalen Einigungsprozesses
markiert.«[3]

Auf Deutsch: Es gibt einen erheblichen Widerspruch zwischen dem, was uns
mit den über hundert Millionen Staatsknete jedes Jahr sowie den Mitteln der
den privaten Medien laufend erzählt wird und dem, was die Menschen erlebt
und in ihrer Erinnerung haben.

Es "muß" somit mit noch mehr Geld und dessen zielgerichteter Verwendung
die Erinnerung neu geprägt werden. Das gelingt erfahrungsgemäß dann, wenn
die Erlebnisgeneration verstorben ist.

[1] http://www.das-parlament.de/2013/42-43/Beilage/004.html
[2] http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/17/17232.pdf
[3] http://www.das-parlament.de/2013/42-43/Beilage/003.html

Pe" DDR-Luftwaffe.de "ter
Frank Müller
2013-10-16 08:12:42 UTC
Permalink
Post by Veith
Also _allein_ 100 Mio. EUR gibt _allein_ der Bund[2] für die
"geschichtliche Aufarbeitung der SED-Diktatur" aus. Jedes Jahr, um
den "menschenverachtenden Charakter der kommunistischen Diktatur" zu
vermitteln und jeder "Verklärung und Verharmlosung" sowie
jeder "Ostalgie" "entschieden entgegenzuwirken"! Dazu kommt das Geld
der Länder und Kommunen sowie Stiftungen etc.
Du kennst doch das System, die müssen sich nun mal einreden daß ihr
System besser ist als das der DDR, und im Kapitalismus ist nun mal
nichts umsonst...
Post by Veith
In den Artikeln geht es m.E. eher um den Verteilungskampf, also wer
bekommt wieviel von der Staatsknete. Ebenso wird die private
Konkurrenz der Medien beklagt und natürlich ist alles viel zu wenig,
es »scheint die aus anderen zeitgeschichtlichen Diskursen bereits
bekannte Diskrepanz zwischen kulturellem und kommunikativem
Gedächtnis mit Blick auf die Erfahrungs-, aber keineswegs homogene
Erinnerungsgemeinschaft der Ostdeutschen evident und wird als Problem
des mentalen Einigungsprozesses markiert.«[3]
Auf Deutsch: Es gibt einen erheblichen Widerspruch zwischen dem, was uns
mit den über hundert Millionen Staatsknete jedes Jahr sowie den
Mitteln der den privaten Medien laufend erzählt wird und dem, was die
Menschen erlebt und in ihrer Erinnerung haben.
Das wird sich auch nicht ändern, das ist ein Nebeneffekt der
Geschichtsschreibung. Die Geschichtsbücher werden nun mal immer von
den "Siegern" geschrieben, und die schreiben garantiert nichts rein
was zu ihrem Nachteil wäre. Der Effekt ist nicht neu, den kennt man
schon so lange, wie es die Schrift selbst gibt.

Frank
Bea Fuchs
2013-10-16 08:31:18 UTC
Permalink
Post by Veith
Also _allein_ 100 Mio. EUR gibt _allein_ der Bund[2] für die
"geschichtliche Aufarbeitung der SED-Diktatur" aus. Jedes Jahr, um
den "menschenverachtenden Charakter der kommunistischen Diktatur" zu
vermitteln und jeder "Verklärung und Verharmlosung" sowie
jeder "Ostalgie" "entschieden entgegenzuwirken"! Dazu kommt das Geld der
Länder und Kommunen sowie Stiftungen etc.
*Wow* Warum wohl? Die DDR ist doch Tod, oder?
Weil man nicht möchte, dass es wieder zu so einer sozialistischen
Diktatur kommt, was ja richtig ist.
Post by Veith
Auf Deutsch: Es gibt einen erheblichen Widerspruch zwischen dem, was uns
mit den über hundert Millionen Staatsknete jedes Jahr sowie den Mitteln der
den privaten Medien laufend erzählt wird und dem, was die Menschen erlebt
und in ihrer Erinnerung haben.
So generell kann man das nicht sagen. Es gibt auch seriöse Bemühungen,
diesen Widerspruch aufzulösen. Darauf wurde in dem Artikel hingewiesen.

Bspw. die pauschale Gleichsetzung der Nazi-Diktatur mit der DDR-Diktatur
dient auch nicht dem oben genannten Anliegen, eine neue sozialistische
Diktatur zu verhindern. Die Leute reagieren dann nach der
Alltagsweisheit, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die
Wahrheit spricht.
Post by Veith
Es "muß" somit mit noch mehr Geld und dessen zielgerichteter Verwendung
die Erinnerung neu geprägt werden. Das gelingt erfahrungsgemäß dann, wenn
die Erlebnisgeneration verstorben ist.
Solche zynischen Bemerkungen, kannst Du Dir sparen.

Bea
Uwe Schickedanz
2013-10-16 12:57:26 UTC
Permalink
Post by Veith
*Wow* Warum wohl? Die DDR ist doch Tod, oder?
Nein, ist sie nicht.

Gruß Uwe
--
"Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird."
Dieter Wiefelspütz, SPD zu Edward Snowden
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Peter Veith
2013-10-16 14:44:39 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
Post by Veith
*Wow* Warum wohl? Die DDR ist doch Tod, oder?
Nein, ist sie nicht.
<trallala>Da sind wir aber immer noch</trallala>

Oder wie schon der große Philosoph Otto Waalkes, in einem anderen
Zusammenhang aber hier durchaus auch treffend, meinte:

"Aber nicht mehr lange!" :-D
Post by Uwe Schickedanz
Aber keine DDR mehr.
Die gibts nie wieder.
Kannste glaubn.
Und ich nicht zum erstenmal: "Da glaube ich eher dieser Frau: "Es ist
noch nicht ausgemacht, was die DDR in 50 Jahren ist." Marianne Birthler :-]

Ja klar fließen vom Gesamtstaat explizit für Anti-DDR-Propaganda über
100 Mio. EUR jährlich. Wie hoch wird früher der Haushalt des
Bundesministerium fürs "innerdeutsche Beziehungen" gewesen sein? Wegen
den Einsparungen aufgrund des "Verlustes" des Gegners.

Veith
--
Geschichte(n), Strukturen & Bilder der LSK/LV
http://www.DDR-Luftwaffe.de
Lars Gebauer
2013-10-16 09:43:41 UTC
Permalink
Post by Gerald Endres
Mir scheint, du hast die Artikel überhaupt nicht verstanden. Sie
kritisieren speziell auch die Versuche der fachfremdem politischen
Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung.
Du meinst, diese Artikel zerlegen sich selbst? Ja, da könntest Du Recht
haben.
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