Discussion:
Die abgeknickte Flugbahn
(zu alt für eine Antwort)
Achim Ebeling
2021-04-12 18:18:09 UTC
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Gesehen in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz:

(Ich weiß nicht ob das Gewehr ausgestellt war, zumindest habe ich kein
Bild von.
Nur von dem Aushang.)

Während eines Streifenganges in einer Standort-Munitionsniederlage
setzten sich zwei Soldaten zu einer Zigarettenpause in den betonierten
Eingang eines Munitionsbunkers
(auf Streife ist laut Dienstvorschrift eine Pause verbaten).

Wegen des kalten Bodens legten die Soldaten die Gewehre auf denselben
und setzten sich auf die Waffen.

Das Gewehr ist während des Streifenganges durchgeladen,
d. h. eine Patrone befindet sich im Patronenlager, und der
Sicherungshebel befindet sich in der "Sicher"-Position.

Durch Bewegen des Gesäßes wurde der Sicherungshebel unbemerkt auf
"Feuer" umgelegt,
und die Waffe war somit feuerbereit.

Beim Aufstehen geriet einer der Soldaten mit einem Finger an den Abzug
und löste somit einen Schuss aus.
Das Geschoss schlug in das Rohr des gegenüberliegenden Gewehres in Höhe
des Handschutzes ein.
Auf diesem saß noch der andere Soldat, der glücklicherweise nicht
verletzt wurde.

Um allem Ärger (Disziplinarstrafe) aus dem Wege zu gehen,
meldeten die Soldaten folgendes dem Wachvorgesetzten:

"Beim Wechsel des Gewehres von der rechten auf die linke Schulter hat
sich ein Schuss gelöst
und das Rohr im Winkel von 90° verlassen."

Ich denke, jeder der jedient hat, kann eine Geschichte erzählen.
Aber wenige Geschichten sind so gut wie diese ;-)
--
Bis denne
Achim
René Marquardt
2021-04-12 19:25:35 UTC
Permalink
Post by Achim Ebeling
(Ich weiß nicht ob das Gewehr ausgestellt war, zumindest habe ich kein
Bild von.
Nur von dem Aushang.)
Während eines Streifenganges in einer Standort-Munitionsniederlage
setzten sich zwei Soldaten zu einer Zigarettenpause in den betonierten
Eingang eines Munitionsbunkers
(auf Streife ist laut Dienstvorschrift eine Pause verbaten).
Wegen des kalten Bodens legten die Soldaten die Gewehre auf denselben
und setzten sich auf die Waffen.
Das Gewehr ist während des Streifenganges durchgeladen,
d. h. eine Patrone befindet sich im Patronenlager, und der
Sicherungshebel befindet sich in der "Sicher"-Position.
Durch Bewegen des Gesäßes wurde der Sicherungshebel unbemerkt auf
"Feuer" umgelegt,
und die Waffe war somit feuerbereit.
Beim Aufstehen geriet einer der Soldaten mit einem Finger an den Abzug
und löste somit einen Schuss aus.
Das Geschoss schlug in das Rohr des gegenüberliegenden Gewehres in Höhe
des Handschutzes ein.
Auf diesem saß noch der andere Soldat, der glücklicherweise nicht
verletzt wurde.
Um allem Ärger (Disziplinarstrafe) aus dem Wege zu gehen,
"Beim Wechsel des Gewehres von der rechten auf die linke Schulter hat
sich ein Schuss gelöst
und das Rohr im Winkel von 90° verlassen."
Ich denke, jeder der jedient hat, kann eine Geschichte erzählen.
Aber wenige Geschichten sind so gut wie diese ;-)
Alles Quark von Anfang an. Ein Sicherungshebel wird nicht unbemerkt und aus Versehen von Sicher auf Feuer umgelegt.
Da muss schon ein merkbarer Widerstand ueberwunden werden, und es klickt im Allgemeinen relativ laut.
Achim Ebeling
2021-04-13 07:29:27 UTC
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Post by René Marquardt
Alles Quark von Anfang an.
Sicher.
--
Bis denne
Achim
Frank Nitzschner
2021-04-12 19:15:22 UTC
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Post by Achim Ebeling
(auf Streife ist laut Dienstvorschrift eine Pause verbaten).
Rauchen auf Wache? Gab normalerweise Arrest.
Post by Achim Ebeling
Das Gewehr ist während des Streifenganges durchgeladen,
Kann nicht bei der normalen NVA gewesen sein. Das Durchladegeräusch war
doch die einzige Sache mit der man einen sich anschleichenden, außer
der Reihe kontrollieren wollenden Offizier dazu bewegen konnte den Weg
zur Wache auf dem Bauch zurückzulegen... (so um 1983, FRR51)
Post by Achim Ebeling
d. h. eine Patrone befindet sich im Patronenlager, und der Sicherungshebel
befindet sich in der "Sicher"-Position.
Viele spielten auf Wache mit der KMS rum, und einer hat bei der
Sicherheitskontrolle dann auch nicht aufgepasst und beim Abschlagen
eine Ecke vom Regimentsklub weggeschossen. Alle haben sich allerdings
darüber gewundert das die abgenudelte Wachmunition überhaupt noch losging.
Post by Achim Ebeling
Ich denke, jeder der jedient hat, kann eine Geschichte erzählen.
Aber wenige Geschichten sind so gut wie diese ;-)
Grüsse
Frank
René Marquardt
2021-04-12 21:24:02 UTC
Permalink
Post by Frank Nitzschner
Alle haben sich allerdings
darüber gewundert das die abgenudelte Wachmunition überhaupt noch losging.
Die wird doch nicht schlecht. Ich verschiesse hier immer noch ab und zu
Chargen aus den 40ern. Allerdings vielfaches Laden der selben Patrone
in die Kammer drueckt die zusammen, so dass aus 7,62x39 irgendwann mal 7,62x30 wird.
Wird dann zwar immer noch losgehen, aber evtl. mit unschoenen Folgen fuers Geraet.
Frank Nitzschner
2021-04-13 04:03:59 UTC
Permalink
Post by René Marquardt
Die wird doch nicht schlecht. Ich verschiesse hier immer noch ab und zu
Chargen aus den 40ern.
Die Wachmagazine wurden ja jeden Tag auf- und abmunitioniert. Teilweise
vorschriftsmäßig, meist aber mit Hilfe eines zweiten Magazins. Die
Patronen, meist schon über ein Jahr im Einsatz glänzten wie pures Gold,
waren verbeult und zerkratzt. Im 3.DhJ wurden diese mal getauscht und
die "gebrauchten" wurden von den BUen verschossen, -da gab es fast
bei jeden dritten Schuß Hemmungen oder Versager..

Grüsse
Frank
René Marquardt
2021-04-13 13:50:09 UTC
Permalink
Post by Frank Nitzschner
Post by René Marquardt
Die wird doch nicht schlecht. Ich verschiesse hier immer noch ab und zu
Chargen aus den 40ern.
Die Wachmagazine wurden ja jeden Tag auf- und abmunitioniert. Teilweise
vorschriftsmäßig, meist aber mit Hilfe eines zweiten Magazins.
Fuer diesen Zweck haben unsere lieben Freunde, die Israelis, dieses
Geraet erfunden:

https://www.maglula.com/product/ak47-galil-lula-7-62-5-56
Post by Frank Nitzschner
Patronen, meist schon über ein Jahr im Einsatz glänzten wie pures Gold,
waren verbeult und zerkratzt. Im 3.DhJ wurden diese mal getauscht und
die "gebrauchten" wurden von den BUen verschossen, -da gab es fast
bei jeden dritten Schuß Hemmungen oder Versager..
Das glaube ich gerne. Deswegen lasse ich die Patronen im Magazin,
bis sie aus selbigen verschossen werden. Leiert ja auch die Federn
und in geringerem Masze die Lippen aus, wenn man die Patronen
staendig reinstopft und wieder rausnimmt.
Torsten Mueller
2021-04-14 06:33:35 UTC
Permalink
Post by Frank Nitzschner
Patronen, meist schon über ein Jahr im Einsatz glänzten wie pures
Gold, waren verbeult und zerkratzt. Im 3.DhJ wurden diese mal
getauscht und die "gebrauchten" wurden von den BUen verschossen, -da
gab es fast bei jeden dritten Schuß Hemmungen oder Versager..
Das glaube ich gerne. Deswegen lasse ich die Patronen im Magazin, bis
sie aus selbigen verschossen werden. Leiert ja auch die Federn und in
geringerem Masze die Lippen aus, wenn man die Patronen staendig
reinstopft und wieder rausnimmt.
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier gefüllter
Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen. Offenbar war für 50
zusätzliche Magazine pro Kompanie kein Geld da.

Im Prinzip hätte man auch den für ein konkretes Objekt benötigten
Wachsatz gleich in dessen Wachgebäude lagern und dort übergeben können,
meinetwegen in doppelter Ausführung (für die alte und die neue Wache),
dann wären es nur paar zusätzliche Magazine pro Objekt (nicht pro
Kompanie) gewesen. OK, das hätte bedingt, daß alle Wachen kompatible
Waffen haben, das war zumindest Ende der 80er nicht mehr der Fall.

T.M.
Achim Ebeling
2021-04-14 08:16:07 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier gefüllter
Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen.
Wie überprüft man die Vollzähligkeit der Munition, wenn nur volle
Magazine ausgetauscht werden?
Bei uns wurden auch nur die Waffen getauscht, die Patronen im Magazin
hatte niemand gezählt.
Zumindest habe ich es nie mitbekommen.
Die Munition wurde erst von unserem Ari gezählt, wenn die Waffen
zurückgegeben wurden.
--
Bis denne
Achim
Torsten Mueller
2021-04-14 09:20:44 UTC
Permalink
Post by Achim Ebeling
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier
gefüllter Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen.
Wie überprüft man die Vollzähligkeit der Munition, wenn nur volle
Magazine ausgetauscht werden?
Das Magazin an allen Kalaschnikows hat ein kleines rundes Loch bei der
30.Patrone (beim lMG bei der 45.Patrone). Man kann mit einem Blick
leicht feststellen, ob es voll ist.

Hier zu sehen, auf dem dritten Exemplar von links, unten:
Loading Image...

Und der Wachsatz bestand üblicherweise aus genau zweimal 30 Patronen pro
Mann.

T.M.
Achim Ebeling
2021-04-14 10:22:16 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Post by Achim Ebeling
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier
gefüllter Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen.
Wie überprüft man die Vollzähligkeit der Munition, wenn nur volle
Magazine ausgetauscht werden?
Das Magazin an allen Kalaschnikows hat ein kleines rundes Loch bei der
30.Patrone (beim lMG bei der 45.Patrone). Man kann mit einem Blick
leicht feststellen, ob es voll ist.
Ja, DU wirst wohl Recht haben.
Bei dem Magazin der P1 sind auch Löcher an der Seite, wie ich gerade bei
Kugel gesehen habe.
Aber bei dem G3 kann ich da nichts sehen.
Kann mich daran auch nicht erinnern.
Ich weiß nur, dass die Magazine nie voll waren.
P1 5 Patronen und G3 glaube! ich auch nur 5 Schuss.
--
Bis denne
Achim
Uwe Schickedanz
2021-04-14 14:35:21 UTC
Permalink
On Wed, 14 Apr 2021 11:20:44 +0200, Torsten Mueller
Post by Torsten Mueller
Post by Achim Ebeling
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier
gefüllter Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen.
Wie überprüft man die Vollzähligkeit der Munition, wenn nur volle
Magazine ausgetauscht werden?
Das Magazin an allen Kalaschnikows hat ein kleines rundes Loch bei der
30.Patrone (beim lMG bei der 45.Patrone). Man kann mit einem Blick
leicht feststellen, ob es voll ist.
http://imagizer.imageshack.us/v2/1024x768q90/577/7k5y.jpg
Und der Wachsatz bestand üblicherweise aus genau zweimal 30 Patronen pro
Mann.
Nur Auskenner hier am Start. Und wie willst Du verhindern, dass der
Neonazi von nebenan irgendwo zwischen den ersten beiden und der
untersten Patrone im Magazin ein paar leere Hülsen verstaut und mit
den geklemmten Mumpeln irgendwas veranstaltet?

Gruß Uwe
--
Das Dilemma der DDR: 16 Mio. Widerstandskämpfer wurden von
16 Mio. Stasispitzeln überwacht.
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
René Marquardt
2021-04-14 16:00:21 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
On Wed, 14 Apr 2021 11:20:44 +0200, Torsten Mueller
Post by Torsten Mueller
Post by Achim Ebeling
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier
gefüllter Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen.
Wie überprüft man die Vollzähligkeit der Munition, wenn nur volle
Magazine ausgetauscht werden?
Das Magazin an allen Kalaschnikows hat ein kleines rundes Loch bei der
30.Patrone (beim lMG bei der 45.Patrone). Man kann mit einem Blick
leicht feststellen, ob es voll ist.
http://imagizer.imageshack.us/v2/1024x768q90/577/7k5y.jpg
Und der Wachsatz bestand üblicherweise aus genau zweimal 30 Patronen pro
Mann.
Nur Auskenner hier am Start. Und wie willst Du verhindern, dass der
Neonazi von nebenan irgendwo zwischen den ersten beiden und der
untersten Patrone im Magazin ein paar leere Hülsen verstaut und mit
den geklemmten Mumpeln irgendwas veranstaltet?
Damals? Oder heutzutage? Heutzutage wuerde ich die Magazine mit RFID-Tags
markieren fuers Inventar, und bei Aus- und Rueckgabe wiegen.
Und wenn das Magazin unbedingt geleert werden muss, bietet sich
die bereits erwaehnte MagLULA an.
Torsten Mueller
2021-04-15 04:54:39 UTC
Permalink
Post by Uwe Schickedanz
Nur Auskenner hier am Start. Und wie willst Du verhindern, dass der
Neonazi von nebenan irgendwo zwischen den ersten beiden und der
untersten Patrone im Magazin ein paar leere Hülsen verstaut und mit
den geklemmten Mumpeln irgendwas veranstaltet?
Die Frage kam mir auch. Er hätte aber auch so eine leere Hülse in das
Holzbrettchen mit den gebohrten Löchern stecken können, ohne daß es
jemand gemerkt hätte. Es wäre erst der nächsten Wache aufgefallen.

Im übrigen war es bei der Truppe nie (!) ein Problem, an viel größere
Mengen Munition zu kommen. Wie gesagt, bei uns hieß es (vor dem Gefecht,
nicht vor der Wache) "Halt mal Dein Käppi auf." und dann wurde
hineingeschüttet, so viel gerade ging. Das hatte man dann in sämtlichen
verfügbaren Taschen in den Klamotten zu verstauen, bis man es Stunden
später mal gebrauchen konnte.

T.M.
Wolf gang P u f f e
2021-04-15 09:13:02 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Im übrigen war es bei der Truppe nie (!) ein Problem, an viel größere
Mengen Munition zu kommen. Wie gesagt, bei uns hieß es (vor dem Gefecht,
nicht vor der Wache) "Halt mal Dein Käppi auf." und dann wurde
hineingeschüttet, so viel gerade ging. Das hatte man dann in sämtlichen
verfügbaren Taschen in den Klamotten zu verstauen, bis man es Stunden
später mal gebrauchen konnte.
Sowas wurde bisher nur über die Russen geschwätzt, aber bei der NVA?

Bei uns wurde beim Schießen die Munition jedem abgezählt, mit
entsprechend laut und deutlich artikulierter Meldung hin und her,
übergeben. Das ganze Schießen selbst war ein Exerziermanöver ohne
Gleichen mit schier endlosen Kommandos für jeden zu gehenden Schritt
und für jede durchzuführende Handlung.
Da gab es verschiedene Bereiche wo man wartete, wo es Munition gab, wo
man Aufmumpeln durfte und dann letztendlich die ersehnte Feuerlinie, wo
man (auf Kommando) in Stellung gehen durfte und (auf Kommando) in einem
engen Zeitfenster seine (befohlenen) sparsam dosierten Feuerstöße
abgeben durfte.
Da stand immer jemand hinter einem (WIMRE 1 Beobachter pro 3 Schützen),
der so halbwegs versucht hat aufzupassen, dass man die Mumpeln auch ins
Magazin drückt, und nicht in die Hosentasche.
Ja, man hätte es sicher drauf ankommen lassen können...
Aber dann beim Schießen selbst war man auch unter Beobachtung.
Eventuell wurden sogar die Feuerstöße mitgezählt.
Dann am Ende die Kontrolle Patronenlager und Magazin.
Torsten Mueller
2021-04-15 10:24:12 UTC
Permalink
Post by Wolf gang P u f f e
Post by Torsten Mueller
Im übrigen war es bei der Truppe nie (!) ein Problem, an viel größere
Mengen Munition zu kommen. Wie gesagt, bei uns hieß es (vor dem
Gefecht, nicht vor der Wache) "Halt mal Dein Käppi auf." und dann
wurde hineingeschüttet, so viel gerade ging. Das hatte man dann in
sämtlichen verfügbaren Taschen in den Klamotten zu verstauen, bis man
es Stunden später mal gebrauchen konnte.
Sowas wurde bisher nur über die Russen geschwätzt, aber bei der NVA?
Bei uns wurde beim Schießen die Munition jedem abgezählt, mit
entsprechend laut und deutlich artikulierter Meldung hin und her,
Iiiich weeeiiiß. Ich hab's selbst x-fach so erlebt und praktiziert.
"drei Schuß Dauerfeuer" hab ich praktiziert, und bin von einer
geflochten-besternten Lichtgestalt angebrüllt worden, weil ich sie dem
Befehl widersprechend einzeln rausließ (und dreimal traf) ...

Ich habe die ganz oben erwähnte Sache allerdings ebenfalls selbst
erlebt, mehrmals (!), OK, nicht aufm Schießplatz. Es gab aber eben auch
Bataillons- und noch größere Übungen mit anderen, ortsfremden Einheiten,
mit scharfer und mit Platzmunition, selbst mit scharfen Handgranaten,
mit Panzern, SPW und BMP zusammen, die dann selbst noch scharf
geschossen haben. Ich hab Diskussionen erlebt, ob es klug sei, die SPW
scharf über die eigenen Mucker drüber schießen zu lassen, wie es nämlich
realistisch gewesen wäre, denn der SPW war kein Gefechts-, sondern nur
ein Transportfahrzeug, das "gefechtsunterstützend wirken" konnte. Das
hat man dann aber nicht gemacht, die SPW fuhren (realitätsfremd) 10m vor
den Muckern. Es gab Vieles. Und es gab bei der NVA eben auch Munition
als Schüttgut für jedermann, sowohl in Form einzelner Patronen [1] wie
auch in Form artenreiner Zehnerpäckchen [2, 3], in denen drinnen ein
öliges Mikroklima herrschte. Solche Päckchen gab es durchaus gleich acht
oder zehn Stück pro Mann, das wog dann auch ordentlich, baumelte und zog
einem die Klamotten runter.

T.M.

[1] dabei gab es dann gelegentlich gleich eine ganze Palette nie
gesehenes illustres Zeugs, das offenbar verschossen werden mußte:
https://external-content.duckduckgo.com/iu/?u=https%3A%2F%2Ftse1.mm.bing.net%2Fth%3Fid%3DOIP.fUHM-Xr2jejpt8AakOdN9QHaDQ%26pid%3DApi&f=1

[2] Loading Image...
[3] https://external-content.duckduckgo.com/iu/?u=https%3A%2F%2Ftse2.mm.bing.net%2Fth%3Fid%3DOIP.OoUs_BwHuHKuklDNaR1asQAAAA%26pid%3DApi&f=1
René Marquardt
2021-04-15 12:37:18 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
[1] dabei gab es dann gelegentlich gleich eine ganze Palette nie
https://external-content.duckduckgo.com/iu/?u=https%3A%2F%2Ftse1.mm.bing.net%2Fth%3Fid%3DOIP.fUHM-Xr2jejpt8AakOdN9QHaDQ%26pid%3DApi&f=1
Aus dem bekannten und beliebten Buch "Landesverteidigung fuer maennliche
Zehntklaessler" von Gerassimov (Підручник з Захисту Вітчизни. Хлопці. 10
клас. Гарасимів - Нова програма)

https://uahistory.co/pidruchniki/garasimiv-national-defense-bases-medical-knowledge-boys-10-class-2018/22.php
Frank Nitzschner
2021-04-15 16:29:21 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Iiiich weeeiiiß. Ich hab's selbst x-fach so erlebt und praktiziert.
"drei Schuß Dauerfeuer" hab ich praktiziert, und bin von einer
geflochten-besternten Lichtgestalt angebrüllt worden, weil ich sie dem
Befehl widersprechend einzeln rausließ (und dreimal traf) ...
Interessant, normalerweise wurden die Raupenschlepper und auch die BU
fast handzahm und freundlich sobald man scharfe Munition im Magazin
hatte. Und ganz lieb waren sie beim Handgranatenwerfen..
Kann natürlich bei den Mot.Schützen anders gwesen sein, da ging ja
auch das 3. Dhj mit Besen und Eimern in die Reviere. (Erfurt, Anger 1983)

Grüsse
Frank

Uwe Schickedanz
2021-04-15 15:32:48 UTC
Permalink
On Thu, 15 Apr 2021 11:13:02 +0200, Wolf gang P u f f e
Post by Wolf gang P u f f e
Post by Torsten Mueller
Im übrigen war es bei der Truppe nie (!) ein Problem, an viel größere
Mengen Munition zu kommen. Wie gesagt, bei uns hieß es (vor dem Gefecht,
nicht vor der Wache) "Halt mal Dein Käppi auf." und dann wurde
hineingeschüttet, so viel gerade ging. Das hatte man dann in sämtlichen
verfügbaren Taschen in den Klamotten zu verstauen, bis man es Stunden
später mal gebrauchen konnte.
Sowas wurde bisher nur über die Russen geschwätzt, aber bei der NVA?
Höchstens bei Platzpatronen, aber da ich kein Mucker war, kann ich
dazu recht wenig berichten. Ich blieb vom Sturmangriff weitgehend
verschont.
Post by Wolf gang P u f f e
Bei uns wurde beim Schießen die Munition jedem abgezählt, mit
entsprechend laut und deutlich artikulierter Meldung hin und her,
übergeben. Das ganze Schießen selbst war ein Exerziermanöver ohne
Gleichen mit schier endlosen Kommandos für jeden zu gehenden Schritt
und für jede durchzuführende Handlung.
Da gab es verschiedene Bereiche wo man wartete, wo es Munition gab, wo
man Aufmumpeln durfte und dann letztendlich die ersehnte Feuerlinie, wo
man (auf Kommando) in Stellung gehen durfte und (auf Kommando) in einem
engen Zeitfenster seine (befohlenen) sparsam dosierten Feuerstöße
abgeben durfte.
Da stand immer jemand hinter einem (WIMRE 1 Beobachter pro 3 Schützen),
der so halbwegs versucht hat aufzupassen, dass man die Mumpeln auch ins
Magazin drückt, und nicht in die Hosentasche.
Ja, man hätte es sicher drauf ankommen lassen können...
Aber dann beim Schießen selbst war man auch unter Beobachtung.
Eventuell wurden sogar die Feuerstöße mitgezählt.
Dann am Ende die Kontrolle Patronenlager und Magazin.
Und zusätzlich zufällige Taschenkontrollen.

Gruß Uwe
--
Das Dilemma der DDR: 16 Mio. Widerstandskämpfer wurden von
16 Mio. Stasispitzeln überwacht.
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Wolf gang P u f f e
2021-04-14 08:38:54 UTC
Permalink
Am 14.04.2021 um 08:33 schrieb Torsten Mueller:
(Wachmunition)
Post by Torsten Mueller
OK, das hätte bedingt, daß alle Wachen kompatible
Waffen haben, das war zumindest Ende der 80er nicht mehr der Fall.
Du weckst Erinnungen bzw. fehlende solche.
Wir bekamen Mitte 89 neue AKs mit kleinerem Kaliber und diesen braunen
Plastikmagazinen.
Mir fehlt aber die Erinnerung, wie der Austausch in der WK von statten
ging, und ob alle Einheiten in der Kaserne zum gleichen Zeitpunkt neu
ausgerüstet wurden.
Positiv in Erinnerung: Die vollen Magazine waren nicht ganz so schwer.
Negativ: Die schnelle Abmumpelei mit zwei Magazinen flach auf dem Boden
liegend hätte nun schon beim ersten Mal deutliche Spuren hinterlassen.
Frank Nitzschner
2021-04-14 15:58:17 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Die Frage, warum es den Wachsatz nicht einfach in Form zweier gefüllter
Magazine pro Mann gegeben hat, ist bis heute offen. Offenbar war für 50
zusätzliche Magazine pro Kompanie kein Geld da.
Nö, die Vollzähligkeit der übergebenen Munition musste geprüft werden.
Das ging halt am einfachsten, wenn jeder seine Patronen wieder in die
entsprechenden Holzbrettchen steckte. Da hattest du dann auch keine
Chance ein paar Platzpatronen von der Gefechtsübung dazwischenzuschummeln.
Im vollen Magazin siehst du sowas nicht. Gut, wo die Freunde in der Nähe
waren sah es anders aus, da konntest du fehlende Patronen mit Zigaretten
besorgen. Aber, wie schon gesagt, der Wachsatz glänzte wie sonstwas, eine
neue Patrone darin war schon auffällig..
Den Übergang aufs Kleinkaliberschießgewehr habe ich nicht mehr
mitbekommmen, als EK 84/1 erlebte ich nur die Ausgabe der tschechischen
Hamsterbacken-Schutzmasken. Aber dafür ist mein ehemaliger Kampfplatz
für den Frieden erstaunlicherweise im Zwischennetz gut dokumentiert:
Loading Image...
Ich saß im Raum 58.

Grüsse
Frank
Frank Nitzschner
2021-04-14 16:30:33 UTC
Permalink
Post by René Marquardt
Fuer diesen Zweck haben unsere lieben Freunde, die Israelis, dieses
https://www.maglula.com/product/ak47-galil-lula-7-62-5-56
Sehr schick, gabs aber halt 1983 bei uns nicht. Die Schnellsten
schafften das Abmumpeln der 30 Schuß in ca. 12-20s, natürlich
ohne das Einsortieren in die Holzbrettchen; -Spitze nach unten.
Man durfte natürlich nur auf planer Unterlage arbeiten und das
zweite Magazin um himmelswillen nicht verkanten..
Post by René Marquardt
Das glaube ich gerne. Deswegen lasse ich die Patronen im Magazin,
bis sie aus selbigen verschossen werden. Leiert ja auch die Federn
und in geringerem Masze die Lippen aus, wenn man die Patronen
staendig reinstopft und wieder rausnimmt.
Wäre auch ne Möglichkeit gewesen, aber dann hätte man z.B. Platzpatronen
reinschummeln können..

Grüsse
Frank
Achim Ebeling
2021-04-13 07:36:55 UTC
Permalink
Post by Frank Nitzschner
Post by Achim Ebeling
(auf Streife ist laut Dienstvorschrift eine Pause verbaten).
Rauchen auf Wache? Gab normalerweise Arrest.
Oh, da hatte ich aber immer einen Schutzengel ;-)
Post by Frank Nitzschner
Post by Achim Ebeling
Das Gewehr ist während des Streifenganges durchgeladen,
Kann nicht bei der normalen NVA gewesen sein.
Ja, Bundeswehr. Ist ja das Museum in Koblenz.
Post by Frank Nitzschner
Das Durchladegeräusch war
doch die einzige Sache mit der man einen sich anschleichenden, außer
der Reihe kontrollieren wollenden Offizier dazu bewegen konnte den Weg
zur Wache auf dem Bauch zurückzulegen... (so um 1983, FRR51)
Meine P1 war nie durchgeladen, und das G3 demnach auch nicht.
--
Bis denne
Achim
Chr. Maercker
2021-04-12 19:44:04 UTC
Permalink
Post by Achim Ebeling
Wegen des kalten Bodens legten die Soldaten die Gewehre auf denselben
und setzten sich auf die Waffen.
Das Gewehr ist während des Streifenganges durchgeladen,
d. h. eine Patrone befindet sich im Patronenlager, und der
Sicherungshebel befindet sich in der "Sicher"-Position.
Durch Bewegen des Gesäßes wurde der Sicherungshebel unbemerkt auf
"Feuer" umgelegt,
und die Waffe war somit feuerbereit.
Beim Aufstehen geriet einer der Soldaten mit einem Finger an den Abzug
und löste somit einen Schuss aus.
Das Geschoss schlug in das Rohr des gegenüberliegenden Gewehres in Höhe
des Handschutzes ein.
Auf diesem saß noch der andere Soldat, der glücklicherweise nicht
verletzt wurde.
Ich denke, jeder der jedient hat, kann eine Geschichte erzählen.
Allerdings. Wobei es in meinem speziellen Fall eine Panzerkanone war und
der Kommandant des vorausfahrenden Panzers allein durch die Druckwelle
vom Turm geschert wurde. Folge von (zu) knapp bemessenen Zeiten bei
Schießübungen, wie sich anschließend aus den Befragungsprotokollen ergab.
--
CU Chr. Maercker.
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