Discussion:
DDR - Schuld, Folge 1.254
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Peter Veith
2021-03-25 09:08:39 UTC
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Ein älterer Artikel aus 2015, wir erinnern uns an die 2015er
Flüchtlingspolitik:

"1985/86 lenkte das SED-Regime mehr als 150.000 Asylbewerber aus Afrika
und Asien unkontrolliert in die Bundesrepublik. Die DDR wollte Druck auf
die Bundesrepublik machen – und hatte damit Erfolg."

https://www.welt.de/geschichte/article149441251/Schon-die-DDR-nutzte-Fluechtlinge-als-Druckmittel.html

"Das Manöver der DDR brachte die Bundesrepublik und vor allem die damals
eingemauerte Teilstadt West-Berlin bis an den Rand ihrer
Leistungsfähigkeit und trug sicher bei zum Aufschwung einer
populistisch-rechten Bewegung, die dann 1989 unter dem Namen „Die
Republikaner“ tatsächlich ins Landesparlament, das Abgeordnetenhaus,
gewählt wurde."

Man beachte: Westberlin wird korrekt als "eingemauert" bezeichnet und
nicht etwa die DDR. Der "rechte Aufschwung" ist Folge der DDR-Politik
und nicht etwa ihr Untergang.

Interessant das Ende der Affäre: "Am 19. September 1986 kündigte der
SPD-Kanzlerkandidat Johannes Rau an, die DDR werde den ungehinderten
Zustrom ab dem 1. Oktober 1986 unterbinden, indem Interflug und Aeroflot
auf *westdeutsche Visa* bei Passagieren bestehen werden."

Die DDR erkannte somit die Gegebenheit an, daß Westberlin praktisch als
Teil Westdeutschlands behandelt wurde. "Westberliner Visa" gab es m.W.
nicht, oder?

Lustig auch die offenbar obligatorische "Zeitreise": Der "Zustrom" wurde
bereits 1986 beendet (existierte also nur max. 1 Jahr), aber 3 Jahre
später war die DDR an den "Republikaner" Schuld :-D

Veith
--
"A nation without borders is not a nation", Donald J. Trump.
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com
Chr. Maercker
2021-03-25 12:24:32 UTC
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Post by Peter Veith
Ein älterer Artikel aus 2015, wir erinnern uns an die 2015er
"1985/86 lenkte das SED-Regime mehr als 150.000 Asylbewerber aus Afrika
und Asien unkontrolliert in die Bundesrepublik. Die DDR wollte Druck auf
die Bundesrepublik machen – und hatte damit Erfolg."
Interessant daran finde ich daran, dass so viele Asylbewerber in die DDR
wollten. Im "Tatzeitraum" war das wenig bis kein Thema in den Medien,
weder Ost noch West.
Post by Peter Veith
Man beachte: Westberlin wird korrekt als "eingemauert" bezeichnet und
nicht etwa die DDR.
Vom Verlauf der Mauer her stimmt es, dass nur Westberlin eingemauert
war. Das Umland war mit Streckmetall "umfriedet".
Post by Peter Veith
Der "rechte Aufschwung" ist Folge der DDR-Politik
und nicht etwa ihr Untergang.
Man dürfte sich drüber im klaren gewesen sein, dass es in beiden
deutschen Staaten längst Neonazis gab, also lange vor 1989.
Post by Peter Veith
Lustig auch die offenbar obligatorische "Zeitreise": Der "Zustrom" wurde
bereits 1986 beendet (existierte also nur max. 1 Jahr), aber 3 Jahre
später war die DDR an den "Republikaner" Schuld :-D
Allenfalls an ihrem Erstarken Anfang 1990er. Sympathisanten hatten sie
in der DDR. Am Wahlerfolg waren die paar braunen Hanseln aus der ehem.
DDR aber eher nicht schuld.
--
CU Chr. Maercker.
Peter Veith
2021-03-25 12:27:26 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Peter Veith
"1985/86 lenkte das SED-Regime mehr als 150.000 Asylbewerber aus Afrika
und Asien unkontrolliert in die Bundesrepublik. Die DDR wollte Druck auf
die Bundesrepublik machen – und hatte damit Erfolg."
Interessant daran finde ich daran, dass so viele Asylbewerber in die DDR
wollten. Im "Tatzeitraum" war das wenig bis kein Thema in den Medien,
weder Ost noch West.
Neeee, die sind nur in BE-Schönefeld (DDR) gelandet und wunschgemäß im
Transitverfahren nach Westberlin, das war es.

Die DDR war nur "böse", weil sie den Transit nicht verhindert hat, warum
auch?

Veith
--
"Also, sie berufen sich pausenlos auf das Grundgesetz. Sagen Sie mal,
sind sie eigentlich Kommunist?" F.J. Degenhardt.
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com
Chr. Maercker
2021-03-25 17:32:08 UTC
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Post by Peter Veith
Neeee, die sind nur in BE-Schönefeld (DDR) gelandet und wunschgemäß im
Transitverfahren nach Westberlin, das war es.
Stimmt, daran erinnere ich mich. Verdamm lang her ...
--
CU Chr. Maercker.
Lars Gebauer
2021-03-25 12:46:57 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Peter Veith
Ein älterer Artikel aus 2015, wir erinnern uns an die 2015er
"1985/86 lenkte das SED-Regime mehr als 150.000 Asylbewerber aus Afrika
und Asien unkontrolliert in die Bundesrepublik. Die DDR wollte Druck auf
die Bundesrepublik machen – und hatte damit Erfolg."
Interessant daran finde ich daran, dass so viele Asylbewerber in die DDR
wollten.
Die wollten nicht in die DDR. Die DDR war für die nur Zwischenstop auf
dem Weg in die BRD/West-Berlin. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben,
daß es so einfacher gewesen wäre, ein Visa zu erlangen.
Post by Chr. Maercker
Post by Peter Veith
Der "rechte Aufschwung" ist Folge der DDR-Politik
und nicht etwa ihr Untergang.
Man dürfte sich drüber im klaren gewesen sein, dass es in beiden
deutschen Staaten längst Neonazis gab, also lange vor 1989.
Freilich gab es die. Aber in der BRD herrschte da eine ungebrochene
Tradition während das Phänomen in der DDR zumindest offiziell
unterdrückt wurde.

In der BRD gab es immer eine ganze Reihe Parteien, Verbände, Vereine
etc., in denen die sich quasi ungestört tummeln konnten. Oft sogar mit
Billigung oder gar Förderung. In der DDR war und blieb es eher eine
Randerscheinung.
--
"Wenn Du mich morgen früh vor 09:00 Uhr weckst, kriegst Du Riesenärger."
"Und wenn das Haus brennt?"
"Wenn Du das Haus anzündest, erst recht!!"
Peter Veith
2021-03-25 12:49:33 UTC
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Post by Lars Gebauer
Aber in der BRD herrschte da eine ungebrochene
Tradition ...
ACK, die personelle Kontinuität in Politik, Verwaltung und Justiz war
schon erschütternd.

Veith
--
"Die Corona-Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur
Verfügung steht." (BRD-Regierung am 03.06.2020)
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com
Gunter Kühne
2021-03-26 09:39:03 UTC
Permalink
Post by Peter Veith
Post by Lars Gebauer
Aber in der BRD herrschte da eine ungebrochene
Tradition ...
ACK, die personelle Kontinuität in Politik, Verwaltung und Justiz war
schon erschütternd.
Veith
Fallen mir spontan die letzten Folgen von Rottenknechte ein.
--
Kleinmut und Stolz, aus diesem Holz
Schuf der Mensch sich am sechsten Tag Gott.
Frank Möller
2021-04-06 09:52:19 UTC
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Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Man dürfte sich drüber im klaren gewesen sein, dass es in beiden
deutschen Staaten längst Neonazis gab, also lange vor 1989.
Freilich gab es die. Aber in der BRD herrschte da eine ungebrochene
Tradition während das Phänomen in der DDR zumindest offiziell
unterdrückt wurde.
In der BRD gab es immer eine ganze Reihe Parteien, Verbände, Vereine
etc., in denen die sich quasi ungestört tummeln konnten. Oft sogar mit
Billigung oder gar Förderung. In der DDR war und blieb es eher eine
Randerscheinung.
Chlor, wenn man mit der bekannten glorreichen Gebauer'schen
Hilfs-Bullen-"Wahrnehmung" "gesegnet" ist, sieht das wohl so aus.

Andere wissen, daß da schlicht nach dem Motto "Was nicht sein darf, kann
auch nicht sein" Neonazi-Gedankengut und -Vorkomnisse ganz gezielt als
"Randerscheinung" unter den Teppich gekehrt wurden. Verfolgt wurde das nur
"notgedrungen" in besonders krassen Fällen, wo die Methode "mal nicht an
die große Glocke hängen, einfach Schwamm drüber" sonst als Ermutigung
mißverstanden worden wäre.

--

wolfgang sch
2021-03-25 13:59:14 UTC
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Post by Chr. Maercker
Interessant daran finde ich daran, dass so viele Asylbewerber in die DDR
wollten.
Sie wollten in den Westen, die DDR war nur Sprungbrett.

Die Trick bestand darin, über das Schlupfloch Berlin die westdeutsche
Einwanderungskontrolle zu umgehen. Das funktionierte, weil West-Berlin
an der Sektorengrenze aus Statusgründen keine Grenzkontrollen hatte, an
der äußeren Stadtgrenze dagegen sehr wohl. Deswegen reisten die
Flüchtlinge nicht zu Schönefeld nächstgelegenden Übergang Waltersdorfer
Chaussee (Stadtgrenze) ein, sondern über Friedrichstraße
(Sektorengrenze), wie der Welt-Artikel es immerhin richtig darstellt.
Post by Chr. Maercker
Im "Tatzeitraum" war das wenig bis kein Thema in den Medien,
weder Ost noch West.
Doch schon
Post by Chr. Maercker
Post by Peter Veith
Der "rechte Aufschwung" ist Folge der DDR-Politik
und nicht etwa ihr Untergang.
Man dürfte sich drüber im klaren gewesen sein, dass es in beiden
deutschen Staaten längst Neonazis gab, also lange vor 1989.
Es geht um den Wahlerfolg der "Republikaner" in West-Berlin noch vor
dem Mauerfall. Ob Flüchtlingszustrom aus Afrika der Grund dafür war,
weiß ich nicht.
--
Lebe so, wie es die Grünen verbieten wollen.

http://www.wschwanke.de/ usenet_20031215 (AT) wschwanke (DOT) de
Jörg Knebel
2021-03-25 12:51:50 UTC
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Post by Peter Veith
Lustig auch die offenbar obligatorische "Zeitreise": Der "Zustrom" wurde
bereits 1986 beendet (existierte also nur max. 1 Jahr), aber 3 Jahre
später war die DDR an den "Republikaner" Schuld :-D
ROTFL - Die "BRD" hat richtig Schwein alles immer noch auf die DDR und/oder
die STASI schieben zu können.

Bei uns glaubt mittlerweile selbst der unterbelichtetste weiße Alkoholiker
nicht mehr an die Schuld der Russen und/oder Chinesen - nur die Politiker,
aber die werden schon lange nicht mehr als Menschen wahrgenommen.

Just my 2¢

Cheers
Jörg
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