Discussion:
Erinnerungen - mal anders
(zu alt für eine Antwort)
Wilhelm Ernst
2021-01-24 18:31:09 UTC
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Hier ist was los, die Berliner Zeitung traut sich was!
Gibt Stasi-Leuten eine Stimme. Unerhört!
Sag ich doch - der neue Eigentümer...:-)

https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/wir-waren-keine-kriminellen-li.133796

Willi
--
Die Gesellschaft ist zu einem Baumarkt des Wissens geworden, in dem bar solider handwerklicher
Voraussetzungen herumdilettiert wird...Wikipedia ist ein Spiegel der allgemeinen Dekonstruktion
von Bildung. Wikipedia ist ein etwas verschmuddelter Baumarkt des Wissens.
(Hermann Ploppa in Freidenker 4-20)
Lars Gebauer
2021-01-24 18:57:31 UTC
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Post by Wilhelm Ernst
Hier ist was los, die Berliner Zeitung traut sich was!
Gibt Stasi-Leuten eine Stimme. Unerhört!
Sag ich doch - der neue Eigentümer...:-)
https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/wir-waren-keine-kriminellen-li.133796
| Es ist für mich befremdlich, dass bis heute Journalisten Unsinn und
| Vermutungen über das MfS behaupten und veröffentlichen dürfen. Der
| urplötzliche Hass auf die Staatssicherheit nach 1989 ist mir bis heute
| unerklärlich, denn ich selbst und alle mir bekannten Kollegen haben
| diesen Beruf nicht angetreten, um die DDR-Bevölkerung willentlich zu
| verärgern oder zu schikanieren.

"Bis heute unerklärlich"?! - Unglaublich!

Es war doch vollkommen klar, daß nach der Wende mit Hochdruck nach einem
Schuldigen für die ganze Misere gesucht werden mußte. Und wenn man nur
intensiv genug sucht, dann findet man ihn auch: Das "Schild und Schwert
der Partei", das MfS. Der perfekte Sündenbock!

Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
--
1688: Der Mediziner Johannes Hofer prägt den Begriff "Nostalgie". Damit
bezeichnet er das heftige Heimweh, das Schweizer Söldner oft in der
Fremde befällt. Die Ursache dafür, so glauben Militärärzte, seien Ohr-
und Hirnschäden durch das viele Kuhglockengebimmel in der Schweiz.
Chr. Maercker
2021-01-25 10:59:04 UTC
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Post by Lars Gebauer
Post by Wilhelm Ernst
https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/wir-waren-keine-kriminellen-li.133796
| Es ist für mich befremdlich, dass bis heute Journalisten Unsinn und
| Vermutungen über das MfS behaupten und veröffentlichen dürfen. Der
| urplötzliche Hass auf die Staatssicherheit nach 1989 ist mir bis heute
| unerklärlich, denn ich selbst und alle mir bekannten Kollegen haben
| diesen Beruf nicht angetreten, um die DDR-Bevölkerung willentlich zu
| verärgern oder zu schikanieren.
Frag mich viel mehr, wieso ihnen das nicht lange vor 1990 klar war. Von
"urplötzlich" kann keine Rede sein.
Post by Lars Gebauer
Es war doch vollkommen klar, daß nach der Wende mit Hochdruck nach einem
Schuldigen für die ganze Misere gesucht werden mußte. Und wenn man nur
intensiv genug sucht, dann findet man ihn auch: Das "Schild und Schwert
der Partei", das MfS. Der perfekte Sündenbock!
MfS ist eine Art Inbegriff vom System. Andere, die ebenso mitgewirkt
haben, nur auf anderen Gebieten und mit anderen Methoden, wie Partei,
NVA, VP, Bildungswesen, ... können sich dahinter ganz gut abtarnen.
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
--
CU Chr. Maercker.
Lars Gebauer
2021-01-25 11:27:16 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Post by Wilhelm Ernst
https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/wir-waren-keine-kriminellen-li.133796
| Es ist für mich befremdlich, dass bis heute Journalisten Unsinn und
| Vermutungen über das MfS behaupten und veröffentlichen dürfen. Der
| urplötzliche Hass auf die Staatssicherheit nach 1989 ist mir bis heute
| unerklärlich, denn ich selbst und alle mir bekannten Kollegen haben
| diesen Beruf nicht angetreten, um die DDR-Bevölkerung willentlich zu
| verärgern oder zu schikanieren.
Frag mich viel mehr, wieso ihnen das nicht lange vor 1990 klar war. Von
"urplötzlich" kann keine Rede sein.
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Es war doch vollkommen klar, daß nach der Wende mit Hochdruck nach einem
Schuldigen für die ganze Misere gesucht werden mußte. Und wenn man nur
intensiv genug sucht, dann findet man ihn auch: Das "Schild und Schwert
der Partei", das MfS. Der perfekte Sündenbock!
MfS ist eine Art Inbegriff vom System. Andere, die ebenso mitgewirkt
haben, nur auf anderen Gebieten und mit anderen Methoden, wie Partei,
NVA, VP, Bildungswesen, ... können sich dahinter ganz gut abtarnen.
Genau.
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Dummes Gerede[tm] wäre diesem Prozess abträglich gewesen.
--
1688: Der Mediziner Johannes Hofer prägt den Begriff "Nostalgie". Damit
bezeichnet er das heftige Heimweh, das Schweizer Söldner oft in der
Fremde befällt. Die Ursache dafür, so glauben Militärärzte, seien Ohr-
und Hirnschäden durch das viele Kuhglockengebimmel in der Schweiz.
Chr. Maercker
2021-01-25 12:05:48 UTC
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Post by Lars Gebauer
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Es gab ihn so ziemlich in der gesamten Bevölkerung. Zu DDR-Zeiten
äußerte sich das mehr als Angst, später eben als Hass.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
MfS ist eine Art Inbegriff vom System. Andere, die ebenso mitgewirkt
haben, nur auf anderen Gebieten und mit anderen Methoden, wie Partei,
NVA, VP, Bildungswesen, ... können sich dahinter ganz gut abtarnen.
Genau.
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Ganz so geräuschlos lief das nicht. In der CDU gab es Ende 1989 heftige
Diskussionen zum Thema Einheit(spartei). In der Ortsgruppe Halle
übrigens mehrheitlich dagegen. Und folgerichtig wenig später einige
Parteiaustritte.
Post by Lars Gebauer
Dummes Gerede[tm] wäre diesem Prozess abträglich gewesen.
Es ist eher umgekehrt: die Blockparteien bekommen in der nachwendischen
Diskussion selbst gelegentlich ihr Teil ab. Nicht so oft wie das MfS
aber gefühlt öfter als z.B. die NVA.
--
CU Chr. Maercker.
Lars Gebauer
2021-01-25 12:55:44 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Es gab ihn so ziemlich in der gesamten Bevölkerung.
Ich kenne zwar nicht die "ziemlich gesamte Bevölkerung" (im Gegensatz zu
Dir?) aber dennoch einen recht großen Anteil. Bestimmt einen größeren
Anteil als die Allermeisten.

Und, viel wichtiger, das Spektrum meines Bekanntenkreises war/ist
wirklich sehr breit.
Post by Chr. Maercker
Zu DDR-Zeiten äußerte sich das mehr als Angst,
Noch nicht mal das. Skepsis, Mißtrauen und Unsicherheit? - Ja, ok. Eine
gewisse Berührungsangst? - Ja, in bestimmten Kreisen vielleicht auch das.

Das liegt ganz einfach daran, daß der allergrößte Teil der Bevölkerung
nie mit dem MfS in Berührung kam. Und die, die mit dem MfS in Berührung
kamen, die kriegten auch beizeiten mit, daß da keine kleinen Kinder
gefressen wurden.

Ja natürlich: Es gab auch eine ganze Reihe Leute, denen das MfS wirklich
böse mitgespielt hatte und die deswegen allen Grund hatten, das MfS zu
hassen. Aber das war eine nicht allzu große Minderheit.
Post by Chr. Maercker
später eben als Hass.
Nachwendephänomen. 17 Mio. Regimegegner im Überbietungswettbewerb.
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Ganz so geräuschlos lief das nicht.
Eben! Genau deswegen wurde ja ein Sündenbock gebraucht und mit dem MfS
gefunden.
--
1688: Der Mediziner Johannes Hofer prägt den Begriff "Nostalgie". Damit
bezeichnet er das heftige Heimweh, das Schweizer Söldner oft in der
Fremde befällt. Die Ursache dafür, so glauben Militärärzte, seien Ohr-
und Hirnschäden durch das viele Kuhglockengebimmel in der Schweiz.
Chr. Maercker
2021-01-25 19:19:15 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Ich kenne zwar nicht die "ziemlich gesamte Bevölkerung" (im Gegensatz zu
Dir?) aber dennoch einen recht großen Anteil. Bestimmt einen größeren
Anteil als die Allermeisten.
Bei den meisten Leuten, mit denen ich damals zu tun hatte, war es
mindestens latent vorhanden, bei einigen ganz offen.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Zu DDR-Zeiten äußerte sich das mehr als Angst,
Noch nicht mal das. Skepsis, Mißtrauen und Unsicherheit? - Ja, ok. Eine
gewisse Berührungsangst? - Ja, in bestimmten Kreisen vielleicht auch das.
Einige haben sogar Erfahrungen berichtet, wobei ich damals nicht alles
geglaubt habe, was die erzählt haben.
Post by Lars Gebauer
Das liegt ganz einfach daran, daß der allergrößte Teil der Bevölkerung
nie mit dem MfS in Berührung kam. Und die, die mit dem MfS in Berührung
kamen, die kriegten auch beizeiten mit, daß da keine kleinen Kinder
gefressen wurden.
Eher große.
Post by Lars Gebauer
Ja natürlich: Es gab auch eine ganze Reihe Leute, denen das MfS wirklich
böse mitgespielt hatte und die deswegen allen Grund hatten, das MfS zu
hassen. Aber das war eine nicht allzu große Minderheit.
Solche Fälle haben sich rumgesprochen und sollten es allem Anschein nach
auch.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
später eben als Hass.
Nachwendephänomen. 17 Mio. Regimegegner im Überbietungswettbewerb.
Mir sind zu DDR-Zeiten sehr wenige Leute begegnet, die das System gut
fanden. Was Du Überbietungswettbewerb nennest, finde ich auch nicht gut,
das System ist Geschichte.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Ganz so geräuschlos lief das nicht.
Eben! Genau deswegen wurde ja ein Sündenbock gebraucht und mit dem MfS
gefunden.
Wie jetzt: Weil man sich in den Blockparteien uneins über die künftige
Entwicklung war, brauchte man das MfS als Sündenbock?
--
CU Chr. Maercker.
Ronald Konschak
2021-01-25 13:03:38 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Es gab ihn so ziemlich in der gesamten Bevölkerung. Zu DDR-Zeiten
äußerte sich das mehr als Angst, später eben als Hass.
Angst? Ich würde es Respekt und Vorsicht nennen. Wer Angst hat,
macht keine Witze. Z.B. diesen:

Es wurde ein Wettbewerb unter den Geheimdiensten veranstaltet.
Angetreten waren: CIA, KGB und MfS. Als erste Aufgabe wurde
den Vertretern ein Totenschädel übergeben. Sie sollten Alter,
Geschlecht und Todesursache bestimmen. Zuerst kam der Mann
von der CIA zurück. "1000 jahre alt, männlich, erhängt". Der
Juror: "Richtig, wie haben Sie das herausbekommen?" "Wir haben
unsere Computer gefragt." Danach kam der vom KGB: "1000 jahre
alt, männlich, erhängt". "Richtig, wie haben Sie das
herausbekommen?" "Wir haben ihn vermessen und analysiert."
Stunden später kommt der Stasi-Mann: "1000 jahre alt, männlich,
erhängt" "Richtig, wie haben Sie das herausbekommen?" "Er hat
es gestanden."
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Ganz so geräuschlos lief das nicht. In der CDU gab es Ende 1989 heftige
Diskussionen zum Thema Einheit(spartei). In der Ortsgruppe Halle
übrigens mehrheitlich dagegen. Und folgerichtig wenig später einige
Parteiaustritte.
Da hatten wohl welche den Braten gerochen? In Sachsen war's
ähnlich, nur weniger öffentlich. Klar, Biedenkopf war der
kommende Chef, und mit Demokratie hatte der nicht viel am
Hut. Die Austritte wurden schnell von ehemaligen SED-
Mitgliedern kompensiert. Der CDU-Landesverband Sachsen
ist bis heute derjenige mit dem höchsten Anteil ehemaliger
SED-Mitglieder. Das ist ein Baustein an dem Phänomen, das
man "Sächsische Verhältnisse" nennt.

Ronald.
--
Glaub nichts solange es nicht öffentlich bestritten wurde!
Chr. Maercker
2021-01-25 19:24:00 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
Angst? Ich würde es Respekt und Vorsicht nennen. Wer Angst hat,
Es wurde ein Wettbewerb unter den Geheimdiensten veranstaltet.
Angetreten waren: CIA, KGB und MfS. Als erste Aufgabe wurde
den Vertretern ein Totenschädel übergeben. Sie sollten Alter,
Geschlecht und Todesursache bestimmen. Zuerst kam der Mann
von der CIA zurück. "1000 jahre alt, männlich, erhängt". Der
Juror: "Richtig, wie haben Sie das herausbekommen?" "Wir haben
unsere Computer gefragt." Danach kam der vom KGB: "1000 jahre
alt, männlich, erhängt". "Richtig, wie haben Sie das
herausbekommen?" "Wir haben ihn vermessen und analysiert."
Stunden später kommt der Stasi-Mann: "1000 jahre alt, männlich,
erhängt" "Richtig, wie haben Sie das herausbekommen?" "Er hat
es gestanden."
Solche Witze wurden trotz Angst erzählt oder vielleicht gerade deswegen.
Und wohlweislich nicht überall.
Post by Ronald Konschak
Post by Chr. Maercker
Ganz so geräuschlos lief das nicht. In der CDU gab es Ende 1989 heftige
Diskussionen zum Thema Einheit(spartei). In der Ortsgruppe Halle
übrigens mehrheitlich dagegen. Und folgerichtig wenig später einige
Parteiaustritte.
Da hatten wohl welche den Braten gerochen? In Sachsen war's
ähnlich, nur weniger öffentlich. Klar, Biedenkopf war der
kommende Chef, und mit Demokratie hatte der nicht viel am
Hut. Die Austritte wurden schnell von ehemaligen SED-
Mitgliedern kompensiert. Der CDU-Landesverband Sachsen
ist bis heute derjenige mit dem höchsten Anteil ehemaliger
SED-Mitglieder. Das ist ein Baustein an dem Phänomen, das
man "Sächsische Verhältnisse" nennt.
Könnte passen: sächsischer Dialekt war nicht zuletzt deswegen unbeliebt,
weil er in Partei und Regierung weit verbreitet war. Der Dachdecker ausm
Saarland war beinahe ein Exot, im Gegensatz zu seinem Vorgänger.
--
CU Chr. Maercker.
Ronald Konschak
2021-01-25 21:12:38 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Ronald Konschak
Da hatten wohl welche den Braten gerochen? In Sachsen war's
ähnlich, nur weniger öffentlich. Klar, Biedenkopf war der
kommende Chef, und mit Demokratie hatte der nicht viel am
Hut. Die Austritte wurden schnell von ehemaligen SED-
Mitgliedern kompensiert. Der CDU-Landesverband Sachsen
ist bis heute derjenige mit dem höchsten Anteil ehemaliger
SED-Mitglieder. Das ist ein Baustein an dem Phänomen, das
man "Sächsische Verhältnisse" nennt.
Könnte passen: sächsischer Dialekt war nicht zuletzt deswegen unbeliebt,
weil er in Partei und Regierung weit verbreitet war. Der Dachdecker ausm
Saarland war beinahe ein Exot, im Gegensatz zu seinem Vorgänger.
Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen den Gepflogenheiten der
Sachsen-CDU und dem Dialekt. Sinnloses Gelaber ist das.

Ronald.
--
Glaub nichts solange es nicht öffentlich bestritten wurde!
Achim Ebeling
2021-01-25 13:50:44 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Es ist eher umgekehrt: die Blockparteien bekommen in der nachwendischen
Diskussion selbst gelegentlich ihr Teil ab. Nicht so oft wie das MfS
aber gefühlt öfter als z.B. die NVA.
Was sollte man auch gegen die NVA sagen?
--
Bis denne
Achim
Chr. Maercker
2021-01-25 19:25:30 UTC
Permalink
Post by Achim Ebeling
Post by Chr. Maercker
Es ist eher umgekehrt: die Blockparteien bekommen in der nachwendischen
Diskussion selbst gelegentlich ihr Teil ab. Nicht so oft wie das MfS
aber gefühlt öfter als z.B. die NVA.
Was sollte man auch gegen die NVA sagen?
Preußischer Drill wie bei den Vorgängern, blöderweise auch fast die
gleiche Uniform.
--
CU Chr. Maercker.
Achim Ebeling
2021-01-25 20:23:50 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Achim Ebeling
Post by Chr. Maercker
Es ist eher umgekehrt: die Blockparteien bekommen in der nachwendischen
Diskussion selbst gelegentlich ihr Teil ab. Nicht so oft wie das MfS
aber gefühlt öfter als z.B. die NVA.
Was sollte man auch gegen die NVA sagen?
Preußischer Drill wie bei den Vorgängern, blöderweise auch fast die
gleiche Uniform.
Und das soll negativ sein?
Schau Dir unsere Gurkentruppe an.
--
Bis denne
Achim
Torsten Mueller
2021-01-26 06:37:36 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Achim Ebeling
Was sollte man auch gegen die NVA sagen?
Preußischer Drill wie bei den Vorgängern, blöderweise auch fast die
gleiche Uniform.
Und das soll negativ sein? Schau Dir unsere Gurkentruppe an.
Bei Dir ist mir - das fällt mir nicht zum ersten Mal auf - zu viel "wir"
und "uns", wo es doch eigentlich mehr "sie" und "ihnen" wäre. Zu viel
"wir" macht blöde im Koppe, det weeß der Ossi, der hat jahrzehntelang
dieses staatsnahe "wir" zu hören gekriegt und selber so reden müssen und
er zuckt dshalb jedesmal zusammen, wenn es ihm heute begegnet. Es ist
dann nie sehr weit zu "unseren Menschen". - Interessent ist ja übrigens,
daß der Überstülpstaat dieses "wir" praktisch nicht benutzt, nicht
einmal bei "Wir schaffen das."

T.M.
Achim Ebeling
2021-01-26 09:41:16 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Post by Chr. Maercker
Post by Achim Ebeling
Was sollte man auch gegen die NVA sagen?
Preußischer Drill wie bei den Vorgängern, blöderweise auch fast die
gleiche Uniform.
Und das soll negativ sein? Schau Dir unsere Gurkentruppe an.
Bei Dir ist mir - das fällt mir nicht zum ersten Mal auf - zu viel "wir"
und "uns", wo es doch eigentlich mehr "sie" und "ihnen" wäre.
Ja, Deutsche Sprache, schwere Sprache.
Nicht jeder Deutsche versteht sie.
Post by Torsten Mueller
Interessent ist ja übrigens,
daß der Überstülpstaat dieses "wir" praktisch nicht benutzt, nicht
einmal bei "Wir schaffen das."
Müsste wohl besser heißen, Ihr schafft das!?
--
Bis denne
Achim
Gunter Kühne
2021-01-25 14:06:56 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Post by Wilhelm Ernst
https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/wir-waren-keine-kriminellen-li.133796
| Es ist für mich befremdlich, dass bis heute Journalisten Unsinn und
| Vermutungen über das MfS behaupten und veröffentlichen dürfen. Der
| urplötzliche Hass auf die Staatssicherheit nach 1989 ist mir bis heute
| unerklärlich, denn ich selbst und alle mir bekannten Kollegen haben
| diesen Beruf nicht angetreten, um die DDR-Bevölkerung willentlich zu
| verärgern oder zu schikanieren.
Frag mich viel mehr, wieso ihnen das nicht lange vor 1990 klar war. Von
"urplötzlich" kann keine Rede sein.
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Hasss ist vielleicht zu viel gesagt. Aber Unmut den gabs schon. Sogar in
den Reihen der bewaffneten Organe.
Aber da weniger auf Personen fixiert als auf Vorgänge.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Es war doch vollkommen klar, daß nach der Wende mit Hochdruck nach einem
Schuldigen für die ganze Misere gesucht werden mußte. Und wenn man nur
intensiv genug sucht, dann findet man ihn auch: Das "Schild und Schwert
der Partei", das MfS. Der perfekte Sündenbock!
MfS ist eine Art Inbegriff vom System. Andere, die ebenso mitgewirkt
haben, nur auf anderen Gebieten und mit anderen Methoden, wie Partei,
NVA, VP, Bildungswesen, ... können sich dahinter ganz gut abtarnen.
Genau.
Auch aber eben auch sieh oben. Und der Otto Normalo hat das definitiv
nicht mitbekommen. Und die Heutigen Journalisten haben mehrere Gründe
sowas nicht auszuloten.
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Post by Lars Gebauer
Und so konnte insbesondere die SED/PDS "der Welt" erfolgreich glauben
machen, daß in der DDR der Schwanz mit dem Dackel gewedelt hätte. Und
das wurde nur zu gerne geglaubt, gerade und auch von den
Ex-Blockparteien, die damit erfolgreich "Haltet den Dieb!" brüllen konnten.
In diesem Zusammenhang hatten die Blockparteien nicht mehr viel zu
vermelden. Sie existierten ohnehin nicht mehr lange.
Die wollten möglichst geräuschlos mit ihren Bruderparteien fusionieren.
Dummes Gerede[tm] wäre diesem Prozess abträglich gewesen.
Das auch.
--
Kleinmut und Stolz, aus diesem Holz
Schuf der Mensch sich am sechsten Tag Gott.
Chr. Maercker
2021-01-25 19:29:24 UTC
Permalink
Post by Gunter Kühne
Hasss ist vielleicht zu viel gesagt. Aber Unmut den gabs schon. Sogar in
den Reihen der bewaffneten Organe.
Aber da weniger auf Personen fixiert als auf Vorgänge.
ACK, dort war es Unmut darüber, dass MfS-Leute überall reinregieren
konnten. Übliches Kompetenzgerangel in Systemen mit zu vielen Behörden.
Post by Gunter Kühne
Auch aber eben auch sieh oben. Und der Otto Normalo hat das definitiv
nicht mitbekommen.
Einige schon. Es reichte, Soldat in einem Regimentsstab zu sein, um es
mit zu bekommen.
Post by Gunter Kühne
Und die Heutigen Journalisten haben mehrere Gründe sowas nicht auszuloten.
Welche Gründe siehst Du da?
--
CU Chr. Maercker.
Gunter Kühne
2021-01-26 09:50:01 UTC
Permalink
Post by Chr. Maercker
Post by Gunter Kühne
Hasss ist vielleicht zu viel gesagt. Aber Unmut den gabs schon. Sogar in
den Reihen der bewaffneten Organe.
Aber da weniger auf Personen fixiert als auf Vorgänge.
ACK, dort war es Unmut darüber, dass MfS-Leute überall reinregieren
konnten. Übliches Kompetenzgerangel in Systemen mit zu vielen Behörden.
Post by Gunter Kühne
Auch aber eben auch sieh oben. Und der Otto Normalo hat das definitiv
nicht mitbekommen.
Einige schon. Es reichte, Soldat in einem Regimentsstab zu sein, um es
mit zu bekommen.
Post by Gunter Kühne
Und die Heutigen Journalisten haben mehrere Gründe sowas nicht auszuloten.
Welche Gründe siehst Du da?
Das da Dinge und Vorgänge ans Licht kommen könnten die so nicht gewollt
sind.
( Nein und ich meine Nicht nur unsere Mutti, auch paar Etagen kleiner
kennt man ja noch den einen oder den Anderen von Früher.) :(
--
Kleinmut und Stolz, aus diesem Holz
Schuf der Mensch sich am sechsten Tag Gott.
Hans-R. Biermann
2021-01-25 19:22:56 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Frag mich viel mehr, wieso ihnen das nicht lange vor 1990 klar war. Von
"urplötzlich" kann keine Rede sein.
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Von Greifswald aus fuhr ich in einem frisch lackierten Wolga mit Ostberliner
Nummernschild mit einigen Kommilitonen nach Rügen. An einer Kreuzung,
an der ich halten mußte, stand ein Pommer, spuckte aus und reif laut: Scheiß
Stasi! Das war Ende der 70er - FR
Gunter Kühne
2021-01-26 09:50:50 UTC
Permalink
Post by Hans-R. Biermann
Post by Lars Gebauer
Post by Chr. Maercker
Frag mich viel mehr, wieso ihnen das nicht lange vor 1990 klar war. Von
"urplötzlich" kann keine Rede sein.
Wo gab es denn vor '89 "Hass" auf das MfS? Außer vielleicht, in ein paar
unbedeutenden Dissidentengruppen?
Von Greifswald aus fuhr ich in einem frisch lackierten Wolga mit Ostberliner
Nummernschild mit einigen Kommilitonen nach Rügen. An einer Kreuzung,
an der ich halten mußte, stand ein Pommer, spuckte aus und reif laut: Scheiß
Stasi! Das war Ende der 70er - FR
Kannte der Dich :)
--
Kleinmut und Stolz, aus diesem Holz
Schuf der Mensch sich am sechsten Tag Gott.
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