Discussion:
NSA und MfS
(zu alt für eine Antwort)
Ronald Konschak
2014-05-16 21:23:10 UTC
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Es kommt ja selten vor, daß Heise News auf der Startseite das
Staatswappen der DDR zeigt. Es ist dort aber keine Ostalgiewelle
ausgebrochen, sondern es geht -wer hätte das gedacht- um das
Ministerium für Staatssicherheit und seine Kenntnisse über die
NSA. Im Artikel¹ wird auch ein neues Buch² erwähnt, in dem
Klaus Eichner, szt. bei der HVA für US-Geheimdienste zuständig,
über den Kenntnisstand der 80er Jahre berichtet. Bemerkenswert
erscheint mir, daß sich die Tätigkeit der NSA damals schon in
erster Linie gegen die eigenen Verbündeten richtete. Damals wie
heute wußten auch die politisch Verantwortlichen der BRD darüber
Bescheid. Es könnte also sinnvoll sein, zur Lektüre eine Tüte
Popcorn bereitzulegen. Bei der Lektüre der Kommentare unter
dem Artikel übrigens auch. :-O

Ronald.

¹http://heise.de/-2192038
²http://www.edition-ost.de/programm-2/titel/1759.html
--
Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich
glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und
ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist
das wahnsinnige daran.“ (John Lennon)
Peter Veith
2014-05-17 08:29:21 UTC
Permalink
Bescheid. Es könnte also sinnvoll sein, zur Lektüre eine Tüte Popcorn
bereitzulegen. Bei der Lektüre der Kommentare unter dem Artikel
übrigens auch. :-O
Interessant ein Hinweis aus dem Kommentaren:

»Doch dank der damals von Joachim Gauck geführten
Stasi-Unterlagenbehörde gibt es die NSA-Akten nicht mehr. Gaucks
Mitarbeiter Hansjörg Geiger, später Chef des
Bundesnachrichtendienstes, gab 20 laufende Meter Akten an das
Bundesinnenministerium heraus. Das schickte eigens bewaffnete
Einheiten des Bundesgrenzschutzes zum Aktenabtransport. Darunter war
auch jene "National Sigint Requirement List". Sie trug die höchsten
Geheimhaltungsstufe "Top Secret Umbra", wurde gar von Hand zu Hand an
den Innenminister gegeben. Der händigte die Akten 1992 dann
ungesichtet den US-Amerikanern aus.«
http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Gauck-hat-die-NSRL-Liste-an-die-USA-weitergegeben/forum-279719/msg-25233071/read/
http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/174323/index.html

Der genannte Hansjörg Geiger war _nicht_ bloß "Mitarbeiter, er war "1990
Direktor beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. 1995 wurde er Präsident
des Bundesamts für Verfassungsschutz, 1996 Präsident des
Bundesnachrichtendienstes. Am 30. Oktober 1998 wurde er beamteter
Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz ... Seit 2012 ist er
ehrenamtlich als Vorsitzender für das Unabhängige Gremium zur Klärung
von Stasi-Fragen des Deutschen Olympischen Sportbundes tätig.«

Ve"Leistung muß sich wieder lohnen"ith
--
Geschichte(n), Strukturen & Bilder der LSK/LV
http://www.DDR-Luftwaffe.de
Torsten Mueller
2014-05-17 09:37:31 UTC
Permalink
Bemerkenswert erscheint mir, daß sich die Tätigkeit der NSA damals
schon in erster Linie gegen die eigenen Verbündeten richtete. Damals
wie heute wußten auch die politisch Verantwortlichen der BRD darüber
Bescheid. Es könnte also sinnvoll sein, zur Lektüre eine Tüte Popcorn
bereitzulegen.
Der historische Umbruch, die Amis in Westdeutschland und Westberlin in
einem realen, vorurteils- und also auch vorbegünstigungsfreien Licht zu
sehen, steht der "BRD" noch bevor. Es ist regelrecht lächerlich, mit
welcher Immanenz das Bild des amerikanischen Freundes nach wie vor
hochgehalten wird, auch von Privatpersonen. Denn das war immer ein recht
einseitiges Bild, behaupte ich. Während man in der DDR das Wort
"Freunde" zumindest seit Anfang der 80er praktisch immer ironisch
aussprach, selbst unter Waffenbrüdern, sagt man das im Westen heute noch
ganz im Ernst, und die Merkel selbst, die es ja ganz genau usw.,
entblödet sich nicht, es ganz ungeniert zu gebrauchen.

Westdeutschland war 40 Jahre lang ein amerikanisches Protektorat [1] und
insbesondere ein "Kontrollat", na selbstverständlich, zudem noch günstig
gelegen, das geografische Herz Europas, als militärischer und
geheimdienstlicher Brückenkopf in Europa allerbestens zu gebrauchen,
dazu mit leistungsfähiger Industrie und fleißigen Menschen ausgestattet,
good cars, good beer, Octoberfest, so what? Alles weitere ist einseitig
hineininterpretiert. Und es wäre für Deutschland von großem historischen
Wert, sich endlich von dieser Position zu emanzipieren. Es wäre ein
längst überfälliger Schritt, auch für ganz Europa.

Und, um gleich vorweg ein wenig zu disclaimen, ich bin damit weder
pauschal antiamerikanistisch noch national noch russophil gesinnt,
"nüchtern" wäre ein gutes Wort.

T.M., eigentlich gar nicht da

[1] und was es heute ist, ist nicht unstrittig
Peter Veith
2014-05-17 09:55:12 UTC
Permalink
Während man in der DDR das Wort "Freunde" zumindest seit Anfang der
80er praktisch immer ironisch aussprach, .., sagt man das im Westen
heute noch ganz im Ernst, ...
Und sie merken / verstehen gar nicht, wie albern / peinlich das ist.

Das geht aber tiefer: Für mich ist es ein schönes Beispiel für die
Beeinflußbarkeit von Menschenmassen, wie nur innerhalb von 3 Jahren aus
den "angloamerikanischen Terrorbombern" die "Rosinenbomber" wurden ...
ok, z.g.T. auch nur offizielle Geschichtsschreibung und Propaganda, aber
auch "die Furcht vorm Russen". Diese "Furcht" baute direkt auf Goebbels
auf und verband sich mit der Angst vor einer eigentlich berechtigten
Rache der Sieger.

Kurz aus Wessi-Sicht:
"Der Ami hat uns vor Russen gerettet", daher sind sie "unsere Freunde".

Ve"Wessi-versteher"ith
--
"There’s class warfare, all right, […] but it’s my class, the rich
class, that’s making war, and we’re winning" (Warren Buffett)
http://www.DDR-Luftwaffe.de
Florian Ritter
2014-05-17 12:40:50 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Und, um gleich vorweg ein wenig zu disclaimen, ich bin damit weder
pauschal antiamerikanistisch noch national noch russophil gesinnt,
"nüchtern" wäre ein gutes Wort.
In den ukrainischen Schenken johlt der Karpatofaschismus und Du reklamierst
Nüchternheit für Dich - das ist solcherart niedrig, dass die deutsche
Sprache zu arm ist, den Sachverhalt adäquat in Worte zu fassen.

Da kommen mich Schlingbeschwerden an - FR
Torsten Mueller
2014-05-17 13:36:05 UTC
Permalink
Post by Florian Ritter
In den ukrainischen Schenken johlt der Karpatofaschismus und Du
reklamierst Nüchternheit für Dich - das ist solcherart niedrig, dass
die deutsche Sprache zu arm ist, den Sachverhalt adäquat in Worte zu
fassen.
Worum geht's in Deinem etwas wirren posting?

T.M.
Ronald Konschak
2014-05-17 16:20:11 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Es ist regelrecht lächerlich, mit
welcher Immanenz das Bild des amerikanischen Freundes nach wie vor
hochgehalten wird, auch von Privatpersonen. Denn das war immer ein recht
einseitiges Bild, behaupte ich. Während man in der DDR das Wort
"Freunde" zumindest seit Anfang der 80er praktisch immer ironisch
aussprach, selbst unter Waffenbrüdern, sagt man das im Westen heute noch
ganz im Ernst, und die Merkel selbst, die es ja ganz genau usw.,
entblödet sich nicht, es ganz ungeniert zu gebrauchen.
Die Frage ist nun, ob die proklamierte Freundschaft mit den USA
wirklich eine ist, oder nur ein Lippenbekenntnis. Wie es in der
DDR um die deutsch-sowjetische Freundschaft bestellt war, weiß
sicher jeder noch. Es erschöpfte sich meist in der Mitgliedschaft
in der gleichnamigen Massenorganisation, echten Kontakt zur
Sowjetunion hatten die wenigsten. Auch die Waffenbrüderschaft
fand nur auf administrativer Ebene statt, als Soldat bekam man
kaum einen Waffenbruder zu Gesicht. Also, wer hängt am 4. Juli
Stars and Stripes vors Fenster?

Ronald.
--
Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich
glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und
ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist
das wahnsinnige daran.“ (John Lennon)
Wolfgang P u f f e
2014-05-18 08:31:52 UTC
Permalink
"Torsten Mueller" schrieb...
Post by Torsten Mueller
Der historische Umbruch, die Amis in Westdeutschland und Westberlin in
einem realen, vorurteils- und also auch vorbegünstigungsfreien Licht zu
sehen, steht der "BRD" noch bevor. Es ist regelrecht lächerlich, mit
welcher Immanenz das Bild des amerikanischen Freundes nach wie vor
hochgehalten wird, auch von Privatpersonen. Denn das war immer ein recht
einseitiges Bild, behaupte ich. Während man in der DDR das Wort
"Freunde" zumindest seit Anfang der 80er praktisch immer ironisch
aussprach, selbst unter Waffenbrüdern, sagt man das im Westen heute noch
ganz im Ernst, und die Merkel selbst, die es ja ganz genau usw.,
entblödet sich nicht, es ganz ungeniert zu gebrauchen.
Ironisch ja, aber eher wurde im Volksmund betont von unseren "Brüdern"
gesprochen. Freunde könne man sich aussuchen, so die Begründung.
Dagegen habe ich nie gehört, das jemand im Westen sagte, unsere
amerikanischen Brüder.

W.
Ronald Konschak
2014-05-18 09:39:56 UTC
Permalink
Post by Wolfgang P u f f e
Ironisch ja, aber eher wurde im Volksmund betont von unseren "Brüdern"
gesprochen. Freunde könne man sich aussuchen, so die Begründung.
Dagegen habe ich nie gehört, das jemand im Westen sagte, unsere
amerikanischen Brüder.
In meinem Umfeld war nur von "den Freunden" die Rede. Der Witz
mit den Brüdern war zwar geläufig, führte aber nicht zu einer
anderen Bezeichnung. Ich möchte behaupten, das war DDR-weit so.
Selbst in Filmen waren "die Freunde" ein Synonym für die
Sowjetunion bzw. ihre Bürger, obwohl der ironische Unterton
bekannt war. Als Beispiel sei die Folge "Die Kollision" aus
der Fernsehserie "Zur See" genannt. "Wir haben da über die
Freunde was besseres eingerührt" sagte der Havarieinspektor,
gespielt von Rolf Hoppe, bei seinem Eintreffen zu Kapitän
Karsten in jenem südamerikanischen Land, in dem Karsten fest-
gehalten wurde. In der nächsten Szene erfährt man, daß die
sowjetische Botschaft endlich einen brauchbaren Anwalt für
Karsten engagiert hat.

Ronald.
--
Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich
glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und
ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist
das wahnsinnige daran.“ (John Lennon)
G. Kühne
2014-05-18 09:45:07 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
Post by Wolfgang P u f f e
Ironisch ja, aber eher wurde im Volksmund betont von unseren "Brüdern"
gesprochen. Freunde könne man sich aussuchen, so die Begründung.
Dagegen habe ich nie gehört, das jemand im Westen sagte, unsere
amerikanischen Brüder.
In meinem Umfeld war nur von "den Freunden" die Rede. Der Witz
mit den Brüdern war zwar geläufig, führte aber nicht zu einer
anderen Bezeichnung. Ich möchte behaupten, das war DDR-weit so.
Selbst in Filmen waren "die Freunde" ein Synonym für die
Sowjetunion bzw. ihre Bürger, obwohl der ironische Unterton
bekannt war. Als Beispiel sei die Folge "Die Kollision" aus
der Fernsehserie "Zur See" genannt. "Wir haben da über die
Freunde was besseres eingerührt" sagte der Havarieinspektor,
gespielt von Rolf Hoppe, bei seinem Eintreffen zu Kapitän
Karsten in jenem südamerikanischen Land, in dem Karsten fest-
gehalten wurde. In der nächsten Szene erfährt man, daß die
sowjetische Botschaft endlich einen brauchbaren Anwalt für
Karsten engagiert hat.
Ronald.
Fernsehserien war aber die offizielle gewünschte Ausdrucksweise.
Also selbst in meine grünen Zeit, in DD, wurde je nach Lage, Beides
verwendet.

MfG
--
Kleinmut und Stolz, aus diesem Holz,
schuf der Mensch sich am sechsten Tag Gott.
Uwe Schickedanz
2014-05-18 11:57:38 UTC
Permalink
On Sun, 18 May 2014 10:31:52 +0200, "Wolfgang P u f f e"
Post by Wolfgang P u f f e
"Torsten Mueller" schrieb...
Post by Torsten Mueller
Der historische Umbruch, die Amis in Westdeutschland und Westberlin in
einem realen, vorurteils- und also auch vorbegünstigungsfreien Licht zu
sehen, steht der "BRD" noch bevor. Es ist regelrecht lächerlich, mit
welcher Immanenz das Bild des amerikanischen Freundes nach wie vor
hochgehalten wird, auch von Privatpersonen. Denn das war immer ein recht
einseitiges Bild, behaupte ich. Während man in der DDR das Wort
"Freunde" zumindest seit Anfang der 80er praktisch immer ironisch
aussprach, selbst unter Waffenbrüdern, sagt man das im Westen heute noch
ganz im Ernst, und die Merkel selbst, die es ja ganz genau usw.,
entblödet sich nicht, es ganz ungeniert zu gebrauchen.
Ironisch ja, aber eher wurde im Volksmund betont von unseren "Brüdern"
gesprochen. Freunde könne man sich aussuchen, so die Begründung.
Eigentlich nicht. Brüderlichkeit an für sich nur in der quasi
stehenden Redewendung vom Brudervolk. 'Freunde' war durchweg üblich.



Gruß Uwe
--
Wir hätten diese Terroristen längst besiegt, wenn sie
nicht von zehntausenden Bürgern unterstützt würden.
Der sog. "Präsident" der Ukraine, Alexander Turtschinow
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
Christoph Maercker
2014-05-19 10:52:08 UTC
Permalink
Post by Torsten Mueller
Der historische Umbruch, die Amis in Westdeutschland und Westberlin in
einem realen, vorurteils- und also auch vorbegünstigungsfreien Licht zu
sehen, steht der "BRD" noch bevor. Es ist regelrecht lächerlich, mit
welcher Immanenz das Bild des amerikanischen Freundes nach wie vor
hochgehalten wird, auch von Privatpersonen.
Es betrifft nicht nur das Verhältnis zu den USA, sondern zum gesamten
System. Mir scheint, da wurde ein ganzes Volk mittels materiellem
Wohlstand (+ ein paar bürgerlich-demokratischen Freiheiten) regelrecht
aufgekauft.
Post by Torsten Mueller
einseitiges Bild, behaupte ich. Während man in der DDR das Wort
"Freunde" zumindest seit Anfang der 80er praktisch immer ironisch
aussprach, selbst unter Waffenbrüdern, sagt man das im Westen heute noch
ganz im Ernst, und die Merkel selbst, die es ja ganz genau usw.,
entblödet sich nicht, es ganz ungeniert zu gebrauchen.
"Die Freunde" wurde spätestens ab Ende 1960er ironisch gebraucht.
Post by Torsten Mueller
Westdeutschland war 40 Jahre lang ein amerikanisches Protektorat [1] und
insbesondere ein "Kontrollat", na selbstverständlich, zudem noch günstig
gelegen, das geografische Herz Europas, als militärischer und
geheimdienstlicher Brückenkopf in Europa allerbestens zu gebrauchen,
dazu mit leistungsfähiger Industrie und fleißigen Menschen ausgestattet,
good cars, good beer, Octoberfest, so what? Alles weitere ist einseitig
hineininterpretiert. Und es wäre für Deutschland von großem historischen
Wert, sich endlich von dieser Position zu emanzipieren. Es wäre ein
längst überfälliger Schritt, auch für ganz Europa.
Egal was es im Einzelnen ist, aber der Bevölkerung der Alt-BRD steht die
Aufwarbeitung ihrer Geschichte noch bevor, welche im .de Ost wenigstens
teilweise erfolgte.
Post by Torsten Mueller
Und, um gleich vorweg ein wenig zu disclaimen, ich bin damit weder
pauschal antiamerikanistisch noch national noch russophil gesinnt,
"nüchtern" wäre ein gutes Wort.
Wenn sich heute die Einstellung etlicher Leute zu den USA grundlegend
verändert hat, dann in erster Linie wegen diverser Steilvorlagen von
dort. Angefangen von der Erhöhung des weltweiten Ausbeutungsgrades aka
Neoliberalismus, über den systematischen Abbau der o.g.
bürgerlich-demokratischen Rechte, angeblich wegen einer Handvoll
wildgewordener Turbanträger, bis hin zu einer Totalüberwachung, die
sämtliche Visionen eines G. Orwell in den Schatten stellt.
--
CU Chr. Maercker.
Lars Gebauer
2014-05-19 11:22:25 UTC
Permalink
Post by Christoph Maercker
Wenn sich heute die Einstellung etlicher Leute zu den USA grundlegend
verändert hat, dann in erster Linie wegen diverser Steilvorlagen von
dort. Angefangen von der Erhöhung des weltweiten Ausbeutungsgrades aka
Neoliberalismus, über den systematischen Abbau der o.g.
bürgerlich-demokratischen Rechte, angeblich wegen einer Handvoll
wildgewordener Turbanträger, bis hin zu einer Totalüberwachung, die
sämtliche Visionen eines G. Orwell in den Schatten stellt.
Ach was. Doch nicht erst seit "heute". Schon die 68er haben so herumgegrölt.

Anti-Amerikanismus ist "schick" und gehört zum Selbstverständnis des
"aufgeklärten Linken".
Ronald Konschak
2014-05-19 13:23:39 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Ach was. Doch nicht erst seit "heute". Schon die 68er haben so herumgegrölt.
Anti-Amerikanismus ist "schick" und gehört zum Selbstverständnis des
"aufgeklärten Linken".
Es sollten Kritik an der US-Politik und Antiamerikanismus ausein-
andergehalten werden. Den "schicken" Antiamerikanismus gibt es auch
auf der rechten Seite, er dient dort als Tarnung für den Antisemi-
tismus. In beiden Fällen ist es aber mehr eine Identifikation
stiftende Haltung, als eine begründete Kritik. Der Vorwurf des
Antiamerikanismus um seiner selbst willen wird heute unzulässiger-
weise jedem gemacht, der die USA wegen diverser Affären und Kriege
kritisiert. Das dient dazu, die Kritiker als politische Extremisten
abzustempeln, sie zu diskreditieren und möglicherweise staatlicher
Verfolgung auszusetzen. Konservative Politiker meinen auch, die
Kritik damit als Randerscheinung abtun zu können. Das sollte man
ihnen nicht zu leicht machen.

Ronald.
--
Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich
glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und
ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist
das wahnsinnige daran.“ (John Lennon)
Lars Gebauer
2014-05-19 14:53:19 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
Post by Lars Gebauer
Ach was. Doch nicht erst seit "heute". Schon die 68er haben so herumgegrölt.
Anti-Amerikanismus ist "schick" und gehört zum Selbstverständnis
des "aufgeklärten Linken".
Es sollten Kritik an der US-Politik und Antiamerikanismus ausein-
andergehalten werden.
Es "sollte". Allerdings. Nur leider interessiert das unser lieben
Mitmenschen kaum ...
Post by Ronald Konschak
Der Vorwurf des Antiamerikanismus um seiner selbst willen wird heute
unzulässiger- weise jedem gemacht, der die USA wegen diverser Affären
und Kriege kritisiert.
Nun, das ist ja auch so ziemlich der allerplatteste Anti-Amerikanismus.
You got 100 points. Damit unterstellst Du Homogenität der politichen
Ansichten _sämtlicher_ Amerikaner. Man sollte eben nicht "die" USA
pauschal kritisieren - das ist es, was Anti-Amerikanismus hauptsächlich
ausmacht - sondern vielmehr den Mr. President. Oder den Secrtetary of
Defence. Oder wen auch immer. Jedenfalls konkrete Personen nennen. Wegen
mir geht auch noch "die Regierung", "die Demokrate" oder "die
Republikaner" usw. usf. Aber dann wird's auch langsam eng.
Ronald Konschak
2014-05-19 15:47:57 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Amerikaner. Man sollte eben nicht "die" USA
pauschal kritisieren - das ist es, was Anti-Amerikanismus hauptsächlich
ausmacht - sondern vielmehr den Mr. President. Oder den Secrtetary of
Defence. Oder wen auch immer. Jedenfalls konkrete Personen nennen. Wegen
mir geht auch noch "die Regierung", "die Demokrate" oder "die
Republikaner" usw. usf. Aber dann wird's auch langsam eng.
Mit "den USA" ist i.d.R. die Regierung, gegebenenfalls auch nachgeordnete
Behörden gemeint. Es wäre wohl ein bischen viel verlangt, für jeden
Fall eine Person namhaft machen zu müssen. Speziell für die Aktionen
ihrer Geheimdienste ist zuerst die Regierung verantwortlich, das sollte
keiner besonderen Erwähnung bedürfen.

Ronald.

P.S.: Du kannst Deine Wünsche ja mal der Boulevardpresse vortragen.
Da steht ständig drin: Deutschland macht dies, Deutschland
sucht den, so denken die Deutschen über... Von dieser Verein-
nahmung fühlte ich mich insbesondere bei der Hetzkampagne
gegen Griechenland angepisst.
--
Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich
glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und
ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist
das wahnsinnige daran.“ (John Lennon)
Lars Gebauer
2014-05-19 19:01:35 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
* Ronald Konschak: Amerikaner. Man sollte eben nicht "die" USA
pauschal kritisieren - das ist es, was Anti-Amerikanismus
hauptsächlich ausmacht - sondern vielmehr den Mr. President. Oder
den Secrtetary of Defence. Oder wen auch immer. Jedenfalls konkrete
Personen nennen. Wegen mir geht auch noch "die Regierung", "die
Demokrate" oder "die Republikaner" usw. usf. Aber dann wird's auch
langsam eng.
Mit "den USA" ist i.d.R. die Regierung, gegebenenfalls auch
nachgeordnete Behörden gemeint.
Klar doch. Genauso wenn davon die Rede ist, daß "die Polen" Autos
stehlen. Da weiß man auch ganz genau, daß damit in der Regel nur
polnische Autodiebe gemeint sind.
Post by Ronald Konschak
Es wäre wohl ein bischen viel verlangt, für jeden Fall eine Person
namhaft machen zu müssen.
Überhaupt nicht. Speziell in den USA ist es im Zweifel immer der Mr.
President. So viel passiert da nicht, ohne dessen zumindest grobe
Zustimmung. Ist in D nicht ganz so einfach.
Post by Ronald Konschak
Speziell für die Aktionen ihrer Geheimdienste ist zuerst die
Regierung verantwortlich,
So? - Welche Rolle spielt denn dabei der, bspw., Mr. Vilsack?
Post by Ronald Konschak
das sollte keiner besonderen Erwähnung bedürfen.
So?

Ich nehme lieber Obame, Rice und Johnson.
Post by Ronald Konschak
P.S.: Du kannst Deine Wünsche ja mal der Boulevardpresse vortragen.
Warum, zum Fuch, sollte ich das tun?
Post by Ronald Konschak
Da steht ständig drin: Deutschland macht dies, Deutschland sucht den,
so denken die Deutschen über...
Du meinst, die haben für Dich eine Vorbildfunktion?
Post by Ronald Konschak
Von dieser Verein- nahmung fühlte ich mich insbesondere bei der
Hetzkampagne gegen Griechenland angepisst.
Und deswegen machst Du's auch?

Christoph Maercker
2014-05-19 17:19:51 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
Es sollten Kritik an der US-Politik und Antiamerikanismus ausein-
andergehalten werden.
FULL ACK, ebenso wie Kritik am Staat Israel und Antisemitismus. Auch
wenn einige Leute argumentieren, da Israel ein demokratischer Staat sei,
wäre dessen Politik zugleich die der Mehrheit des Judentums.
Post by Ronald Konschak
Den "schicken" Antiamerikanismus gibt es auch
auf der rechten Seite, er dient dort als Tarnung für den Antisemi-
tismus.
Sie behaupten ziemlich offen, Kapitalismus sei eine Erfindung des
Judentums. Nun ja, die europäische Gesellschaft hat Juden seit dem
frühen Mittelalter den Zugang zu Handwerksberufen u.ä. verwehrt. Ergo
wurden etliche von ihnen Geldwechsler/Banker und Kaufleute. Zumal nur
ihnen umgekehrt das Privileg eingeräumt wurde, Zinsen zu nehmen.
Post by Ronald Konschak
Der Vorwurf des
Antiamerikanismus um seiner selbst willen wird heute unzulässiger-
weise jedem gemacht, der die USA wegen diverser Affären und Kriege
kritisiert.
Bloß gut, dass einige US-Amis ihr System auch nicht so gut finden. ;-)
--
CU Chr. Maercker.
Dirk Moebius
2014-05-19 17:58:35 UTC
Permalink
Post by Christoph Maercker
Post by Ronald Konschak
Es sollten Kritik an der US-Politik und Antiamerikanismus ausein-
andergehalten werden.
FULL ACK, ebenso wie Kritik am Staat Israel und Antisemitismus. Auch
wenn einige Leute argumentieren, da Israel ein demokratischer Staat sei,
wäre dessen Politik zugleich die der Mehrheit des Judentums.
Das waere aehnlich unfugig wie die Idee, alle Katholiken fuer die
Politik des Vatikan verantwortlich zu machen - und umgekehrt.
Post by Christoph Maercker
Post by Ronald Konschak
Der Vorwurf des
Antiamerikanismus um seiner selbst willen wird heute unzulässiger-
weise jedem gemacht, der die USA wegen diverser Affären und Kriege
kritisiert.
Bloß gut, dass einige US-Amis ihr System auch nicht so gut finden. ;-)
Bias?

Hierzulande treffe ich ja eigentlich nur solche US-Buerger, die schon
mal die Nase aus ihrem Land gesteckt und sich andere Kulturen zumindest
mal angesehen haben. Die sind natuerlich im Median weltoffener als die,
die zu Hause bleiben.

[Irgendwo las ich mal, die Haelfte der Senatoren im US-Senat habe nicht
mal einen Pass, sei also nie im Ausland gewesen...]

Dirk
--
new PGP key 0508F2B1
key 1AEAA3F8 is expired and revoked
Christoph Maercker
2014-05-19 17:23:44 UTC
Permalink
Post by Ronald Konschak
Ministerium für Staatssicherheit und seine Kenntnisse über die
NSA.
Könnte gut sein, dass von diesem Wissen sogar ein wenig bis zum
damaligen Deutschen Militärverlag durchgesickert ist. Im "Funkamateur"
fand ich irgendwann in den 1980ern erstmalig Infos zur NSA.
--
CU Chr. Maercker.
Loading...