Discussion:
Wir sind das Volk
(zu alt für eine Antwort)
Torsten Mueller
2016-02-24 10:55:26 UTC
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Raw Message
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.

Eine Erklärung ist neben anderen: weil der Satz praktisch nichts
bedeutet. - Er ist der kleinste gemeinsame Nenner von allen, das Volk
ist schlicht jeder, der auf zwei Beinen stehen kann (Rollstuhlfahrer und
selbst Koma-Patienten mit eingeschlossen), abzüglich der oberen
Zehntausend allerdings. Man kann sich von dieser sehr schlichten,
selbstverständlichen, banalen Tatsache auf dem Gebiet der Biologie gar
nicht ausnehmen.

Der Satz befreit einen ferner zuverlässig davon, irgendetwas zu wollen
oder verstanden haben zu müssen, für etwas einstehen oder gar den Kopf
hinhalten zu müssen. Man muß gar nichts, wenn man das Volk ist, das ist
sein Recht. Es geht bei diesem Satz lediglich um jedermanns Sein - ein
Tun (oder auch nur ein Wollen) deutet er nicht einmal an.

Der Satz ist deshalb bemerkenswert beliebig, nichts weiter als ein
kollektives Mäh, und er ist eben auch von jedermann benutz- und
korrumpierbar, auch von völkischen Dumpfbacken, die grad vom
überraschenden Widerhall ihres eigenen Mähs an Häuserwänden ermutigt
ihre Dämmerung wittern.

Gerade deshalb ist "Wir sind das Volk!" so problematisch. Und das war es
letztendlich immer schon.

T.M.

[1] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fluechtlinge-was-clausnitz-ueber-unsere-gesellschaft-sagt-a-1078523.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/clausnitz-zeigt-dass-tribalismus-alltag-wird-14084630.html
Matthias Opatz
2016-02-24 11:37:33 UTC
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Raw Message
Post by Torsten Mueller
Eine Erklärung ist neben anderen: weil der Satz praktisch nichts
bedeutet.
Wir sind gerade Hanball-Europameister.

Papst sind wir nicht mehr.

Das Volk aber immer.

Matthias
Ronald Konschak
2016-02-24 12:16:38 UTC
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Raw Message
Post by Torsten Mueller
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.
Ich denke, die historische Bedeutung hat mit dem heutigen Gebrauch
nichts zu tun. Was damals als Mahnung an die ach so volksverbundene
DDR-Regierung gemeint war, ist heute ein Aufruf zum Pogrom. Auch ist
es eine Art Selbstermächtigung, den eigenen Willen unter allen
Umständen realisieren zu wollen. Damit fühlt sich das "Volk" nun
berechtigt, dem anderen "Volk" die Harke zu zeigen, wie zum Beispiel
bei der Soli-Kundgebung am vergangenen Sonnabend in Clausnitz. In der
offiziellen Berichterstattung blieb unerwähnt, dass das "Volk" dort
in unmittelbarer Nähe herumschlich, sodass ich aufgefordert wurde,
mit meiner Kameraleuchte über den Parkplatz zu gehen, um dasselbe zu
verscheuchen.

Ein Spruch der dort kam, sollte übrigens langsam ins Volksgewissen
einsickern: Die Anfänge, derer man sich hätte erwehren müssen, sind
lange vorbei.
Post by Torsten Mueller
[1] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fluechtlinge-was-clausnitz-ueber-unsere-gesellschaft-sagt-a-1078523.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/clausnitz-zeigt-dass-tribalismus-alltag-wird-14084630.html
...und ich sach noch, Torsten sach ich, nimm die Kurzlinks, aber
nee nee nee...

[1] http://spiegel.de/article.do?id=1078523
[2] http://faz.net/-14084630.html


Ronald.
--
fight fortress europe – fight nationalism
Martin Ebert
2016-02-24 21:16:40 UTC
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Raw Message
Post by Ronald Konschak
Post by Torsten Mueller
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.
Ich denke, die historische Bedeutung hat mit dem heutigen Gebrauch
nichts zu tun. Was damals als Mahnung an die ach so volksverbundene
DDR-Regierung gemeint war,
Der entscheidende Unterschied ist, dass die DDR-Regierung fürsorglich
für das gesamte Volk dachte und handelte. Der Spruch war eine Erinnerung
an die Regierenden - ihr habt euch ein Volk definiert, aber das sind
wir. Hinzu kam der Selbstschutz: Wenn die Regierenden nun alles für das
Volk tun, können sie es schlecht niederknüppeln.

In der parlamentarischen Demokratie wählt die Mehrheit eine Regierung,
das bedeutet schon mal, dass ein Minderheit sich definitionsgemäß nicht
vertreten sieht. Und es bedeutet zudem, dass eine Regierung auch Dinge
beschließt, die nicht einmal der Mehrheit gefallen. Zum Beispiel haben
wir noch immer keine Todesstrafe.

Das mag ja dem einen oder anderen missfallen - aber das sind die
Spielregeln.

Der Ruf "Wir sind das Volk" kann schon insoweit nicht funktionieren.
Abstrus wird es, wenn Randgruppen sich zum "wir-Volk" aufschwingen, dann
wird es regelrecht lächerlich.
Post by Ronald Konschak
ist heute ein Aufruf zum Pogrom.
So weit würde ich nun nicht gehen, nicht in jedem Fall. Zudem ist das
auch nicht das erste Mal, anlässlich der Hartz-Gesetze gab es das Ganze
auch schon einmal.

Mt
P.S: Auf Rügen sah ich einen Laden, der -ernsthaft- Volks-Fahrräder
heißt. Leider habe ich es nicht fotografiert.
Bernd Ullrich
2016-02-25 05:39:17 UTC
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Raw Message
Am 24.02.2016 um 22:16 schrieb Martin Ebert:

[...]
Post by Martin Ebert
Mt
P.S: Auf Rügen sah ich einen Laden, der -ernsthaft- Volks-Fahrräder
heißt. Leider habe ich es nicht fotografiert.
http://www.villa-vivien.de/06-freizeit.html
Paul
2016-02-25 16:42:26 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Bernd Ullrich
[...]
Post by Martin Ebert
Mt
P.S: Auf Rügen sah ich einen Laden, der -ernsthaft- Volks-Fahrräder
heißt. Leider habe ich es nicht fotografiert.
http://www.villa-vivien.de/06-freizeit.html
WOW, mit Deppen-Apostroph! Das passt wie der Arsch auf den Eimer.

Paule
Torsten Mueller
2016-02-25 07:02:21 UTC
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Raw Message
Post by Martin Ebert
Der entscheidende Unterschied ist, dass die DDR-Regierung fürsorglich
für das gesamte Volk dachte und handelte. Der Spruch war eine
Erinnerung an die Regierenden - ihr habt euch ein Volk definiert, aber
das sind wir.
Jaja, alles richtig, aber das ist kein Unterschied, das ist eine
Gemeinsamkeit, zumindest in deren Spatzenhirnen.
Post by Martin Ebert
In der parlamentarischen Demokratie wählt die Mehrheit eine Regierung,
das bedeutet schon mal, dass ein Minderheit sich definitionsgemäß
nicht vertreten sieht.
Du sprichst von der sog. Konkurrenzdemokratie, dem heute typischen,
westlichen Modell, vor allem in großen Staaten, insbesondere solchen,
die historisch und heute noch eine nennenswerte (d.h. kriegerische)
Außenpolitik betrieben haben. In diesen Staaten setzt sich die stärkste
politische Kraft (und in dieser eine kleine Clique von Personen) durch
und reißt praktisch die ganze Macht an sich.

In kleineren Staaten, L, NL, B, A und selbstverständlich CH gibt es
(teilweise) sog. Konkordanzdemokratien, und das Konkordanzprinzip gilt
dort üblicherweise als ein hoher und schützenswerter gesellschaftlicher
Wert: Schutz, Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht von Minderheiten,
Elitenkooperation im Interesse des Ganzen, prinzipielle Mehr- oder sogar
Allparteienregierungen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Konkordanzdemokratie
Post by Martin Ebert
Und es bedeutet zudem, dass eine Regierung auch Dinge beschließt, die
nicht einmal der Mehrheit gefallen. Zum Beispiel haben wir noch immer
keine Todesstrafe.
Ich glaube nicht, daß die eine Mehrheit fände.
Post by Martin Ebert
P.S: Auf Rügen sah ich einen Laden, der -ernsthaft- Volks-Fahrräder
heißt. Leider habe ich es nicht fotografiert.
Wahrscheinlich gegründet 1898 von Karl-Heinz Volk.

T.M.
Peter Veith
2016-02-25 17:22:11 UTC
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Raw Message
Post by Torsten Mueller
Wahrscheinlich gegründet 1898 von Karl-Heinz Volk.
Ja,
der mutmaßliche Vorfahr von Lars-Carsten Volk, vgl.:
http://www.villa-vivien.de/seite-impressum.html

Veith
--
Niemand hat die Absicht eure Konten einzufrieren!
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com
Ronald Konschak
2016-02-25 11:50:36 UTC
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Raw Message
Post by Martin Ebert
Post by Ronald Konschak
ist heute ein Aufruf zum Pogrom.
So weit würde ich nun nicht gehen, nicht in jedem Fall.
Aber in zunehmendem Maße. Clausnitz ist nur der Fall, welcher in
die Medien gelangt ist. In Dresden-Laubegast und -Übigau hat das
"Volk" denselben Ruf auf den Lippen. Bei einem Besuch einer
rechten Versammlung vor einer Flüchtlingsunterkunft kann man die
zunehmende Militanz des "Volkes" auch gut studieren. Für
Couchpotatoes sei Strassengezwitscher empfohlen.

https://twitter.com/streetcoverage

Ronald.
--
fight fortress europe – fight nationalism
gunter kuehne
2016-02-25 18:42:08 UTC
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Raw Message
Post by Ronald Konschak
Post by Torsten Mueller
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.
Ich denke, die historische Bedeutung hat mit dem heutigen Gebrauch
nichts zu tun. Was damals als Mahnung an die ach so volksverbundene
DDR-Regierung gemeint war, ist heute ein Aufruf zum Pogrom. Auch ist
es eine Art Selbstermächtigung, den eigenen Willen unter allen
Umständen realisieren zu wollen. Damit fühlt sich das "Volk" nun
berechtigt, dem anderen "Volk" die Harke zu zeigen, wie zum Beispiel
bei der Soli-Kundgebung am vergangenen Sonnabend in Clausnitz. In der
offiziellen Berichterstattung blieb unerwähnt, dass das "Volk" dort
in unmittelbarer Nähe herumschlich, sodass ich aufgefordert wurde,
mit meiner Kameraleuchte über den Parkplatz zu gehen, um dasselbe zu
verscheuchen.
Ach, du warst auch einer von denen die diese Veranstaltung organisiert
haben.
Naja gewundert hat mich nur, das da überhaupt ca 100 Leute
zusammengekommen sein sollen.
Das Dorf hat nur Sechshundert und paar Zerquetschte Einwohner.
Post by Ronald Konschak
Ein Spruch der dort kam, sollte übrigens langsam ins Volksgewissen
einsickern: Die Anfänge, derer man sich hätte erwehren müssen, sind
lange vorbei.
Bloß Gut so

Und wenn man die von Journalisten verletzte pegida Teilnehmerin so
bewundert.
Dan sieht man ja wer in dem Staat die Gewalttätigen Nazis sind.
Übrigens falls jemand Hinweise geben will.
<https://www.facebook.com/hashtag/zeugengesucht?source=feed_text&story_id=1064196926952063>

Für Bautzen hätte ich auch noch was im Angebot.
Vielleicht für alle mit Schaum vorm Mund, ne Erklärung warum da einige
so Sauer sind.
<https://lauterbautzner.eu/2015/12/30/neues-asylheim-in-bautzen-facebook-dachstuhl/>

Es ist wohl so wie prophezeit eingetroffen.
Komisch unsere sogenannte Qualitätspresse hat das Vorspiel schon
Vergessen. Ja ist ja Klar. Alle Sachsen sind Nazis, oder warum regen die
sich so auf. Bloß weil sie ihre Arbeitsplätze verlieren.
Harz 4 ist doch schön.
Frag doch mal die ganzen linken Gegendemonstranten.
Früh ausschlafen und Abends paar andersdenkende Omas oder Opas
zusammenschlagen, oder abwechselnd paar Autos anzünden.
Alles für Frieden und soz...

GK
Wer Ironie findet darf sie behalten.
Frank Müller
2016-02-24 12:44:23 UTC
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Raw Message
Post by Torsten Mueller
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.
Was sollen die denn sonst rufen? Wenn man eine Regierung hat die vorgibt
alles "zum Wohle des Volkes" zu tun und eine Justiz die "im Namen des
Volkes" Urteile fällt, dann muß man denen immer mal klar machen was
das Volk ist.

Hier entsteht eine "Flüchtlingsindustrie" auf Kosten der Steuerzahler
und unsere Medien tun so als ob das ganz in Ordnung ist.

Bin schon auf den ersten Artikel gespannt wo berichtet wird das ein
deutscher Harz4-Empfänger seinen Ausweiß verbrennt und sich als
Flüchtling registrieren läßt um seine Lebenssituation zu verbessern...

Frank
Martin Schade
2016-02-25 09:10:35 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Torsten Mueller
Seit Monaten frage ich mich, aber auch andere [1, insbesondere 2] sich,
wie jener Prozentsatz da unten rechts Woche für Woche den Satz "Wir sind
das Volk!" rufen kann, wo der Satz doch historisch so bedeutsam war.
rufen kann man was man will - auch wenn es keinen Sinn ergibt.
Post by Torsten Mueller
Eine Erklärung ist neben anderen: weil der Satz praktisch nichts
bedeutet. - Er ist der kleinste gemeinsame Nenner von allen, das Volk
ist schlicht jeder, der auf zwei Beinen stehen kann (Rollstuhlfahrer und
selbst Koma-Patienten mit eingeschlossen), abzüglich der oberen
Zehntausend allerdings. Man kann sich von dieser sehr schlichten,
selbstverständlichen, banalen Tatsache auf dem Gebiet der Biologie gar
nicht ausnehmen.
Das hängt davon ab, was man unter "Dem Volk" versteht.
Der Begriff stammt m.W. von 'viele' ab, so ist in älteren Schriften den
Stabreim 'Viel Volk' zu finden.
Ein Begriff macht auch keinen Sinn, wenn es nichts gibt, das er nicht
bezeichnet; man grenzt damit einiges von anderem ab: Das Deutsche Volk, das
Polnische Volk, Das Tschechische Volk usf.
Benutzt wird dieser Begriff aber auch für alle, für die es keine engere
Bezeichnung gibt - so erinnere ich mich aus dem Deutschunterricht an einen
Text, wo ein Eingang als 'nur für Herrschaften' gekennzeichnet war; die
anderen seien eben 'nur Volk'. In ähnlicher Weise ist ein General zwar auch
ein Soldat und ein Pilot auch ein Arbeiter, aber beide werden nicht so
genannt. Die Begriffe 'Soldat' und 'Arbeiter' haben etwas herabsetzendes.

Im Herbst '89 bezeichnete "Das Volk" alle Leute im Unterschied zu jenen, die
in der Regierungsverantwortung standen und für sich beansprucht haben,
schließlich war das so, daß diese zwar sagten "arbeite mit - plane mit -
regiere mit", aber nur "unter Führung der SED".
Post by Torsten Mueller
Der Satz befreit einen ferner zuverlässig davon, irgendetwas zu wollen
oder verstanden haben zu müssen, für etwas einstehen oder gar den Kopf
hinhalten zu müssen. Man muß gar nichts, wenn man das Volk ist, das ist
sein Recht. Es geht bei diesem Satz lediglich um jedermanns Sein - ein
Tun (oder auch nur ein Wollen) deutet er nicht einmal an.
So etwa - nach der Wende bestand die Notwendigkeit, sich unter den
veränderten Verhältnissen neu zu orientieren, aber die Obrigkeiten haben das
nicht erkannt und die Medien dazu kaum eine Beitrag geleistet. Der
Sozialismus ist weitaus besser propagiert worden als die Marktwirtschaft. In
der Folge haben etliche sich selber informiert und sind nun besser gestellt,
und jene, die das nicht geschafft haben und immer noch nicht oder zu spät
verstanden haben, wie die Marktwirtschaft funktioniert, sind eben "Das
Volk". Man könnte auch sagen, sie seien 'Die Looser' oder 'abgehängt
worden'.
Post by Torsten Mueller
Der Satz ist deshalb bemerkenswert beliebig, nichts weiter als ein
kollektives Mäh, und er ist eben auch von jedermann benutz- und
korrumpierbar, auch von völkischen Dumpfbacken, die grad vom
überraschenden Widerhall ihres eigenen Mähs an Häuserwänden ermutigt
ihre Dämmerung wittern.
Gerade deshalb ist "Wir sind das Volk!" so problematisch. Und das war es
letztendlich immer schon.
Ich seh' das so, daß die Obrigkeit dafür sorgen sollte, daß alle mit dabei
sind; und das verträgt sich irgendwie nicht mit dem Marktwirtschaftlichen
Wettbewerb. Nun feiert die Obrigkeit die Globalisierung - aber die ist nicht
für alle da, nur für jene, die stark genug sind, sich ihren Anteil zu
_nehmen_. Es hat verschiedene Trends gegeben, und man hat eigentlich immer
auf die Schwachen Rücksicht genommen - nur die 'Global Schwachen' sind
irgendwie nicht interessant.

Neu ist das freilich nicht - die Zeile "Proletarier aller Länder vereinigt
Euch" kennen wir noch, aber so richtig scheint das nicht zu klappen.

Grüße, Martin Schade
Chr. Maercker
2016-02-25 11:56:11 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Schade
Benutzt wird dieser Begriff aber auch für alle, für die es keine engere
Bezeichnung gibt - so erinnere ich mich aus dem Deutschunterricht an
einen Text, wo ein Eingang als 'nur für Herrschaften' gekennzeichnet
war; die anderen seien eben 'nur Volk'. In ähnlicher Weise ist ein
General zwar auch ein Soldat und ein Pilot auch ein Arbeiter, aber beide
werden nicht so genannt. Die Begriffe 'Soldat' und 'Arbeiter' haben
etwas herabsetzendes.
Beim Militär stand an den Klos "Nur für Offiziere", an den übrigen -
handgeschrieben - "Für die anderen A...löcher". Passt.
Post by Martin Schade
Im Herbst '89 bezeichnete "Das Volk" alle Leute im Unterschied zu jenen,
die in der Regierungsverantwortung standen und für sich beansprucht
haben, schließlich war das so, daß diese zwar sagten "arbeite mit -
plane mit - regiere mit", aber nur "unter Führung der SED".
Unter straffer Führung.
Post by Martin Schade
Ich seh' das so, daß die Obrigkeit dafür sorgen sollte, daß alle mit
dabei sind; und das verträgt sich irgendwie nicht mit dem
Marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Nun feiert die Obrigkeit die
Globalisierung - aber die ist nicht für alle da, nur für jene, die stark
genug sind, sich ihren Anteil zu _nehmen_. Es hat verschiedene Trends
gegeben, und man hat eigentlich immer auf die Schwachen Rücksicht
genommen - nur die 'Global Schwachen' sind irgendwie nicht interessant.
Doch, sobald sie zu uns kommen und ihren Anteil einfordern. Aber das hat
natürlich üüberhaupt nix mit Klobalisierung zu tun und schon gar nix mit
europäischer Knete-Union.
Post by Martin Schade
Neu ist das freilich nicht - die Zeile "Proletarier aller Länder
vereinigt Euch" kennen wir noch, aber so richtig scheint das nicht zu
klappen.
Weil es die klassischen Proletarier in Industrie- bzw.
"Dienstleistungsgesellschaften" kaum noch gibt. Umso mehr Angestellte,
Freischaffende/Pseudo-Selbständige und Präkariat.
--
CU Chr. Maercker.
Bernd Ullrich
2016-02-25 14:52:45 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Chr. Maercker
Post by Martin Schade
Benutzt wird dieser Begriff aber auch für alle, für die es keine engere
Bezeichnung gibt - so erinnere ich mich aus dem Deutschunterricht an
einen Text, wo ein Eingang als 'nur für Herrschaften' gekennzeichnet
war; die anderen seien eben 'nur Volk'. In ähnlicher Weise ist ein
General zwar auch ein Soldat und ein Pilot auch ein Arbeiter, aber beide
werden nicht so genannt. Die Begriffe 'Soldat' und 'Arbeiter' haben
etwas herabsetzendes.
Beim Militär stand an den Klos "Nur für Offiziere", an den übrigen -
handgeschrieben - "Für die anderen A...löcher". Passt.
Post by Martin Schade
Im Herbst '89 bezeichnete "Das Volk" alle Leute im Unterschied zu jenen,
die in der Regierungsverantwortung standen und für sich beansprucht
haben, schließlich war das so, daß diese zwar sagten "arbeite mit -
plane mit - regiere mit", aber nur "unter Führung der SED".
Unter straffer Führung.
Post by Martin Schade
Ich seh' das so, daß die Obrigkeit dafür sorgen sollte, daß alle mit
dabei sind; und das verträgt sich irgendwie nicht mit dem
Marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Nun feiert die Obrigkeit die
Globalisierung - aber die ist nicht für alle da, nur für jene, die stark
genug sind, sich ihren Anteil zu _nehmen_. Es hat verschiedene Trends
gegeben, und man hat eigentlich immer auf die Schwachen Rücksicht
genommen - nur die 'Global Schwachen' sind irgendwie nicht interessant.
Doch, sobald sie zu uns kommen und ihren Anteil einfordern. Aber das hat
natürlich üüberhaupt nix mit Klobalisierung zu tun und schon gar nix mit
europäischer Knete-Union.
Post by Martin Schade
Neu ist das freilich nicht - die Zeile "Proletarier aller Länder
vereinigt Euch" kennen wir noch, aber so richtig scheint das nicht zu
klappen.
------------------------------------------------------------
Post by Chr. Maercker
Weil es die klassischen Proletarier in Industrie- bzw.
"Dienstleistungsgesellschaften" kaum noch gibt.
Gans falsch, wer seine "Ware" Arbeitskraft verkaufen muss um überleben
zu können ist Proletarier.
Post by Chr. Maercker
Umso mehr Angestellte,
Freischaffende/Pseudo-Selbständige und Präkariat.
Verkauf ist Verkauf.

BU
Torsten Mueller
2016-02-25 15:20:43 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Bernd Ullrich
Post by Chr. Maercker
Weil es die klassischen Proletarier in Industrie- bzw.
"Dienstleistungsgesellschaften" kaum noch gibt.
Gans falsch, wer seine "Ware" Arbeitskraft verkaufen muss um überleben
zu können ist Proletarier.
Du erzählst natürlich wie immer hanebüchenen bullshit.

Bauern beispielsweise sind keine Proletarier, Intelligenzler auch nicht,
drum wurden die nämlich stets gesondert genannt und auch beobachtet,
anderswo konsequenterweise auch gleich zur Sicherheit ausgerottet. Das
war damals bereits so. Heute kommen noch Individuen hinzu,
beispielsweise das audifahrende mittlere Management, die Dir eins aufs
Maul hauen, wenn Du sie Proletarier nennst, ebenso wie die vielen
selbständigen Familienbetriebe im Gastgewerbe oder allgemeiner im
Dienstleistungssektor. Wie sieht's eigentlich mit Beamten und dem
öffentlichen Dienst aus?

T.M.
Martin Funder
2016-02-25 15:37:10 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Torsten Mueller
Post by Bernd Ullrich
Post by Chr. Maercker
Weil es die klassischen Proletarier in Industrie- bzw.
"Dienstleistungsgesellschaften" kaum noch gibt.
Gans falsch, wer seine "Ware" Arbeitskraft verkaufen muss um überleben
zu können ist Proletarier.
Du erzählst natürlich wie immer hanebüchenen bullshit.
Bauern beispielsweise sind keine Proletarier, Intelligenzler auch nicht,
anmerkung aus dem manifest der kommunistischen partei,

"Unter Proletariat [wird] die Klasse der modernen Lohnarbeiter
[verstanden], die, da sie keine eigenen Produktionsmittel besitzen,
darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu
können."
Post by Torsten Mueller
drum wurden die nämlich stets gesondert genannt und auch beobachtet,
anderswo konsequenterweise auch gleich zur Sicherheit ausgerottet. Das
war damals bereits so. Heute kommen noch Individuen hinzu,
beispielsweise das audifahrende mittlere Management, die Dir eins aufs
Maul hauen, wenn Du sie Proletarier nennst, ebenso wie die vielen
selbständigen Familienbetriebe im Gastgewerbe oder allgemeiner im
Dienstleistungssektor. Wie sieht's eigentlich mit Beamten und dem
öffentlichen Dienst aus?
soweit die obige definition passt, kann man sie durchaus als proletarier
bezeichnen. es gibt aus marxistischer sicht keinen grund, nach der art
der arbeit zu unterscheiden.

mfg, martin
Nico Lubitz
2016-02-25 17:39:06 UTC
Permalink
Raw Message
[...]
Post by Martin Funder
Post by Torsten Mueller
Du erzählst natürlich wie immer hanebüchenen bullshit.
Tell news.
Post by Martin Funder
soweit die obige definition passt, kann man sie durchaus als proletarier
bezeichnen. es gibt aus marxistischer sicht keinen grund, nach der art
der arbeit zu unterscheiden.
Mittlerweile wurde bemerkt, dass es auch andere als die marxistischen
Sichtweisen gibt. Marxismus ist halt nicht mehr so aktuell.


-nil
--
Es sollte allgemein bekannt sein, das ich nichts von Demokratie halte. [...]
Die Mehrheit des Volkes ist deutlich ungebildeter und unintelligenter[1] als
ich. Demokratie ist _für mich_ also in jedem Fall eine Diktatur der Dummen.
Ulf Gutschmidt in datu (<bra5l5$14d45$***@ID-56643.news.uni-berlin.de>)
Lars Gebauer
2016-02-25 18:41:39 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Nico Lubitz
Post by Martin Funder
soweit die obige definition passt, kann man sie durchaus als proletarier
bezeichnen. es gibt aus marxistischer sicht keinen grund, nach der art
der arbeit zu unterscheiden.
Mittlerweile wurde bemerkt, dass es auch andere als die marxistischen
Sichtweisen gibt.
Aus welcher Sichtweise wollte man "Proletarier aller Länder, vereinigt
euch!" wohl sonst betrachten? Aus der vegetarischen?
Post by Nico Lubitz
Marxismus ist halt nicht mehr so aktuell.
Kommt wieder. Keine Angst.
Peter Veith
2016-02-25 19:29:02 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Lars Gebauer
Post by Nico Lubitz
Mittlerweile wurde bemerkt, dass es auch andere als die marxistischen
Sichtweisen gibt.
Aus welcher Sichtweise wollte man "Proletarier aller Länder, vereinigt
euch!" wohl sonst betrachten? Aus der vegetarischen?
Aus der Gender-Sicht!

Mit der Losung "Proletarierinnen und Proletarier aller Länder, vereinigt
euch!" wäre vieles anders gelaufen.

Veith
--
"Wessen sollen wir uns rühmen, wenn nicht der DDR" Peter Hacks.
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de
Martin Schade
2016-02-25 16:18:46 UTC
Permalink
Raw Message
"Chr. Maercker" schrieb im Newsbeitrag news:namq4s$msh$***@news.albasani.net...

*****
Post by Chr. Maercker
Post by Martin Schade
Ich seh' das so, daß die Obrigkeit dafür sorgen sollte, daß alle mit
dabei sind; und das verträgt sich irgendwie nicht mit dem
Marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Nun feiert die Obrigkeit die
Globalisierung - aber die ist nicht für alle da, nur für jene, die stark
genug sind, sich ihren Anteil zu _nehmen_. Es hat verschiedene Trends
gegeben, und man hat eigentlich immer auf die Schwachen Rücksicht
genommen - nur die 'Global Schwachen' sind irgendwie nicht interessant.
Doch, sobald sie zu uns kommen und ihren Anteil einfordern. Aber das hat
natürlich üüberhaupt nix mit Klobalisierung zu tun und schon gar nix mit
europäischer Knete-Union.
Wer das schafft, ist nicht 'Global Schwach'. Ich meine damit diejenigen, die
nicht fähig sind, einer Verschlechterung ihrer Perspektive durch Migration
auszuweichen.
Post by Chr. Maercker
Post by Martin Schade
Neu ist das freilich nicht - die Zeile "Proletarier aller Länder
vereinigt Euch" kennen wir noch, aber so richtig scheint das nicht zu
klappen.
Weil es die klassischen Proletarier in Industrie- bzw.
"Dienstleistungsgesellschaften" kaum noch gibt. Umso mehr Angestellte,
Freischaffende/Pseudo-Selbständige und Präkariat.
Naja, wenn eine Qualifikation nicht mehr gefragt ist kann

aus TIM CHIMOY | MISCHA MILTENBERGER :
I LOVE MONDAYS
http://www.earthcity.de/

"Aber man sollte trotzdem auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren.
Man sollte auch als Angestellter wie ein Selbstständiger denken. Das
Unternehmen ist der Kunde, du bist der Dienstleister. Und Kunden können
abspringen, wenn man seine Arbeit nicht gut macht. Häufige Jobwechsel,
selbst branchenübergreifend, werden immer mehr zur Normalität. Ein Job fürs
Leben wird zum Job für den Lebensabschnitt.
Zu beobachten war dieses Phänomen beispielsweise während der Bankenkrise in
den USA. Banker wurden reihenweise vor die Tür gesetzt. Es gab keine Jobs
mehr für sie, nirgendwo. Ihnen blieb keine andere Wahl, als sich neue
Beschäftigungsfelder zu suchen. Einige Banker fanden Jobs in der
Realwirtschaft, andere Banker machten sich selbstständig – als
Plätzchenbäcker, Autoren oder Weinhändler. Es gab keine Nische, die nicht
von einem Banker besetzt wurde. Ihre vorherigen Jobtitel spielten keine
Rolle mehr."

Grüße, Martin Schade
Loading...